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Gemeinsam in der Corona-Krise

Liebe Frauen, Männer und Angehörige aller Geschlechter,

seit Wochen dreht die Corona-Pandemie die Verhältnisse in unserem Land und in der Welt auf den Kopf. Während hauptsächlich die Kliniken, die Arbeitswelt und Teile der Wirtschaft im Zentrum im Zentrum der Aufmerksamkeit standen, blieben viele Menschen und ihre Lebenssituationen unter dem Radar. Zum Beispiel: Kinder verloren monatelang ihre Spielgefährt*innen, Alleinerziehende saßen zuhause fest, obendrein noch im Homeoffice arbeitspflichtig, alte Menschen wurden isoliert, v. a. in Einrichtungen, belasteten Familienbeziehungen war nicht zu entfliehen, Kranke mussten um ihre Behandlung bangen, Einsame wurden noch einsamer; von den Lebensumständen jenseits der bürgerlichen Sphäre in Prostitution, Wohnungslosigkeit, Suchtmittelabhängigkeit etc. gar nicht gesprochen. Selbst die peinigende Angst Vieler um die nackte berufliche Zukunft blieb seltsam unbeachtet.

Auf eines können aber alle stolz sein: Offenbar wurde die Ausbreitung des Virus gehemmt, und das ist der Lohn der vielen Entbehrungen.

Nun folgt die Phase der Lockerungen. Locker werden freilich nicht alle. Zwischen der Furcht der einen vor Krankheit und Tod und der Sorge der anderen um Einkommen und Lebendigkeit haben sich die Fronten verhärtet. Wer allzu sehr „aufmachen“ will, scheint den Vorsichtigen als Egoist*in, wer inständig warnt, gilt den Freiheitsdurstigen als paranoid. Und viele fragen sich gerade: War es das jetzt endlich? Oder auch: War es das alles wert gewesen?

Was hat Corona mit uns gemacht? Und was wird es weiter mit uns machen? Eine Antwort, die für alle gilt, scheint es nicht zu geben. Zumal auch die Geschlechter unterschiedlich betroffen sind. Gut, dass entdeckt wurde, dass nicht nur „männliche“ Berufe in der Industrieproduktion relevant sind fürs „System“. Nicht so gut, dass weiterhin die helfenden, oft „Frauenberufe“ genannten Sparten in Anspruch genommen werden, ohne sie finanziell aufzuwerten. Mysteriös, warum die Krankheit mehr Männer sterben lässt. Und ärgerlich, dass im Lockdown alte stereotype Rollenverteilungen zwischen Müttern und Vätern offenbar immer noch den einzig gangbaren Weg bieten, Herausforderungen von Beruf und Kinderbetreuung zu lösen. Und scheinen nicht Geschlechter-, Gender- und Gerechtigkeitsfragen als irrelevant innerhalb von Krisenzeiten? Was macht Corona mit den Geschlechterverhältnissen?

Aufgedeckt von der Krise, ihren Auswirkungen und dem Umgang damit, sehen wir: Da ist einiges zu tun. Das Evangelische Zentrum mit seinen drei Fachbereichen für Frauen, Männer und Dialograum bleibt dran.

[Text: Jens Janson. Artikelbild von Sumanley_xulx/pixabay.de]



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