Menü
Diversity in kirchlicher Arbeit – die Dokumentation

Diskriminierung hat viele Gesichter: Alter, Herkunft, Körperform, sexuelle Orientierung, Religion – und mehr. Oft werden Menschen nicht nur wegen eines Merkmals diskriminiert, sondern sind Opfer von mehrfacher Diskriminierung – intersektionaler Diskriminierung. Auch wir als Teil der Kirche sind nicht dagegen gefeit, andere Menschen zu benachteiligen. Unsere Institutionen und Verbände bauen oft auf diskriminierenden Strukturen auf. Gelernte Muster beeinflussen so unsere Zusammenarbeit, unser ehrenamtliches Engagement und unsere Arbeit in der Kirche. So verhindern wir gerechte und gleiche Teilhabe aller. Wie können wir Diskriminierung erkennen und überwinden? Diesen Fragen gehen wir in unserem dreiteiligen Zoomseminar „Diversity in Kirchlicher Arbeit – Diskriminierung erkennen & überwinden“ nach.

Auf dieser Seite dokumentieren wir die Ergebnisse unserer drei Seminare. Hier finden Sie die Links zu den Impulsvorträgen, die wichtigsten Inhalte aus den Podiumsdiskussionen und allgemeine Link-Tipps zur Vertiefung des Themas.

Diversität und Antirassismus - ein Zaun mit Plakaten "Schluss mit Ignorieren", "Black Lives Matter" und "No Freedom till we're equal"

Schluss mit ignorieren – wer Diskriminierung erkennt, kann sie beenden.
Foto: EKHN/Volker Rahn

Diversität und Diskriminierung – zu Grundlagen und Begriffen

In Teil 1, den Grundlagen für Multiplikator*innen, ging es am 26. April 2022 um 14:00 Uhr um die Basics von Diversität und Diskriminierung. In maßgeblichen Überlegungen und Begriffsklärungen nähern wir uns dem Thema der mehrfachen Diskriminierung. Wir blicken auf die Wechselwirkung von Rassismus, Sexismus und anderen Formen der Diskriminierung, den Umgang mit Diversität und Sprache, unsere eigene Rolle und unser Handeln.

In der Dokumentation finden Sie hier:

  • Impulsvortrag „Gender, race, diversity“ von Nathalie Eleyth, wissenschaftliche Mitarbeiterin, Ruhr-Universität Bochum
  • Schriftliche Zusammenfassung der Präsentation von Nathalie Eleyth
  • Schriftliche Zusammenfassung der Podiumsdiskussion mit:
    • Daniela Konrädi, Theologin, Afrodeutsche Pastorin der Nordkirche
    • Jana Mechelhoff-Herezi, Leitung Erinnerung an Sinti und Roma, Stiftung Denkmal
    • Antje Schrupp, Politikwissenschaftlerin, Präsidiumsmitglied der Ev. Frauen in Deutschland
Video: Gender, race, diversity - der Impulsvortrag Nathalie Eleyth

Das Video zeigt nur den Impulsvortrag von Nathalie Eleyth. Das Video wird von unserem YouTube-Kanal eingebettet. Die automatisch generierten Untertitel befinden sich derzeit in Überarbeitung.

Gender, race, diversity - die Kernaussagen der Präsentation

Gender, race, diversity – Grundbegriffe der Intersektionalität

ein Vortrag von Nathalie Eleyth im Seminar „Diversity in der kirchlichen Arbeit“ des Evangelischen Zentrums Frauen und Männer – Fachbereich Frauen, 26. April 2022, 14.00-17.00 Uhr

Einstieg

Intersektionalität –eine Begriffsbestimmung

Rassismuskritische Perspektive

Kimberlé Williams Crenshaw (* 1959 in Canton, Ohio)

Vier Bedeutungsebenen der Metapher „Straßenkreuzung“

Kritik gegenüber dem intersektionellen Analyseansatz

Sojourner Truth, Ain’t I a Woman (1851)

Relevanz der intersektionalen Analyseperspektive an Beispielen

Konsequenzen für Kirche

Reflexionsfragen zur kirchlich-kritischen Selbstprüfung

 

Einstieg

Indisch? Geil, hatte ich noch nie – Warum Dating als Woman of Colour wehtut von Sonali Beher in Supernova vom 23. März 2021

  • Verdeutlicht, was intersektionale Diskriminierung meint: „

Dass ich Inderin bin – oder anders: dass ich weder kartoffeldeutsches Aussehen noch Namen habe – scheint den ersten Akt aller meiner Dates zu schreiben. Dass sich Typen mit mir treffen wollen, hat allerdings oftmals wenig mit aufrichtigem Interesse zu tun. Vielmehr wird mir klar gemacht [sic!], wie „anders“ ich bin: wie anders ich aussehe, wie anders mein Name ist – und wie besonders sie sind, dafür, dass sie sich für mich interessieren. Ich, die ihr Leben lang in Deutschland gelebt und Bratwurst gegessen hat, bin plötzlich das Nischeninteresse: Ich werde exotisiert. […] Seitdem mir als viel zu junge Frau von viel zu alten Männern im Club zugeflüstert wird, dass ich ja so schön exotisch aussehen würde, weiß ich: Ich bin ein Fetisch. Die Möglichkeit, seinen Exotisierungsdrang beim Reisen, seine Lieblingspornokategorie auszuleben. Und so wird meine Kultur, meine Hautfarbe belächelt, erniedrigt und zu meinem Alleinstellungsmerkmal erkoren: Indisch? Geil, hatte ich noch nie, kann man mal machen.[i]

  • Die Autorin beschreibt weiter den Wunsch, als komplexer Mensch wahrgenommen zu werden und nicht als Vertreterin eines Alleinstellungsmerkmals:

Aber ich bin keine Sehenswürdigkeit, mich zu daten keine Urlaubsreise. Und Touris mag eh keiner.“[ii]

  • Dating ist politisch.
  • Der Artikel zeigt, dass Women of Color (WoC) von unterschiedlichen Abwertungsmechanismen betroffen sind. In diesem Fall augenscheinlich:
    • Sexismus
    • Rassismus
  • Unklar ist, welche Form der Diskriminug speziell greift. Alle Diskriminierungsmechanismen greifen ineinander, ergeben eine je spezifische eigene Form der Diskriminierung und machen WoC besonders verletzlich.

Intersektionalität –eine Begriffsbestimmung

Unter Intersektionalität wird verstanden, dass historisch gewordene Macht-und Herrschaftsverhältnisse, Subjektivierungsprozesse sowie soziale Ungleichheiten wie Geschlecht, Sexualität/Heteronormativität, Race/Ethnizität/Nation, Behinderung oder soziales Milieu nicht isoliert voneinander konzeptualisiert werden können, sondern in ihren ‚Verwobenheiten‘ oder Überkreuzungen (intersections) analysiert werden müssen. Additive Perspektiven werden überwunden, indem der Fokus auf das gleichzeitige Zusammenwirken von sozialen Kategorien bzw. sozialen Ungleichheiten gelegt wird. Es geht demnach nicht allein um die Berücksichtigung mehrerer sozialer Kategorien, sondern ebenfalls um die Analyse ihrer Wechselwirkungen.[iii]

  • Intersektionalität bezeichnet die verschränkte Wirkung von Mehrfachdiskriminierung bzw. das Ineinanderwirken von Herrschaftsverhältnissen
  • Intersektionalität ist ein Analyseinstrument, welches untersucht, wie sich Diskriminierungsformen in einer Person überschneiden
  • Die Intersektionalitätstheorie geht von einem strukturellen Zusammenhang von Rassismus, Sexismus, Kapitalismus, Heteronormativität (…) aus

Intersektionalität ist heute ein „Travelling Concept“ (K. Crenshaw), eine reisende Theorie, die überall angewendet wird. Wichtig ist, die Entstehung des Konzeptes nicht aus den Augen zu verlieren s.u.

Rassismuskritische Perspektive

  • Rassistische Denkstrukturen und Machtverhältnisse sind in allen Teilen der Gesellschaft tiefverwurzelt; jeder Mensch, der in Deutschland aufwächst, ist rassistisch sozialisiert.
  • Kritik des reduktionistischen Rassismusverständnisses: Rassismus als individueller und bewusster Fehltritt oder Externalisierung als böse Tat anderer (z.B. Neonazis) siehe dazu die Unterscheidung der Ethik zwischen Absicht und Wirkung
  • White privilege offenlegen und thematisieren: Weiß-Sein als Norm ist mit Privilegien und strukturellen Vorteilen verbunden.
  • weiß: keine biologische Eigenschaft, sondern gesellschaftspolitische Bezeichnung; aus Weißsein folgt eine Position in der Gesellschaft, die sich von BIPoC unterscheidet
  • Auseinandersetzung mit Abwehrmechanismen wie Derailing, Tone Policing, Gaslighting, white fragility, „myth of sameness“
  • Kritik an Eurozentrismus und Silencing als Form epistemischer Gewalt
  • Diskriminierungskategorien umfassen bspw.: Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Klassismus, Ableismus, Queerfeindlichkeit, Ageism, Lookism

Intersektionalitätstheorien …analysieren, kritisieren und überwinden eindimensionale Perspektiven auf gesellschaftliche Macht.

Kimberlé Williams Crenshaw (* 1959 in Canton, Ohio)

  • US-amerikanische Rechtstheoretikerin und Namensgeberin der Intersektionalitätstheorie und der critical race theory
  • „Demarginalizing the Intersection of Race and Sex“ 1989
  • Hintergrund: Emma De Graffenreid et al. versus General Motors (1976)
  • Analyseergebnis Crenshaws: Schwarze Frauen erleben Rassismus und Sexismus, den weder schwarze Männer noch weiße Frauen nachvollziehen können.
    • Intersection (engl.) = (Straßen)kreuzung
  • „Intersektionalität ist eine analytische Sensibilität, eine Möglichkeit, über Identität und ihr Verhältnis zu Macht nachzudenken.“

Vier Bedeutungsebenen der Metapher „Straßenkreuzung“

  1. Überschneidung von Sexismus und Rassismus als Diskriminierungsprozesse, Verkehr aus mehreren Straßen, die eine Kreuzung bilden
  2. Positionierung von schwarzen Frauen am Kreuzungspunkt
  3. Erhöhung des „Unfallrisikos“ und damit spezifische Schutzbedürftigkeit
  4. Nicht nur eine Ursache für etwaigen „Unfall“

„Diskriminierung aufgrund von race und Geschlecht überschnitt sich nicht nur am Arbeitsplatz, sondern auch in anderen Lebensbereichen. Ebenso bedeutsam ist, dass diese Hypothek so gut wie gar nicht von feministischen und Antirassismus-Gruppen thematisiert wurde. Intersektionalität war somit mein Versuch, Feminismus, antirassistischen Aktivismus und Antidiskriminierungsrecht zu ihrem eigentlichen Ziel zu verhelfen: Ich wollte die verschiedenen Straßen aufzeigen, welche Unterdrückung aufgrund von race und Geschlecht transportieren, sodass die Probleme einfacher zu diskutieren und zu verstehen sind.“[iv]

Kritik gegenüber dem intersektionellen Analyseansatz

  • „Opression Olympics“
  • herrschaftsstabilisierend statt emanzipatorisch
  • Atmosphäre des Schikanierens und „Privilegienabprüfens“
  • zu „theoretisch“ bzw. „Worthülse“
  • Fragmentierung sozialer Bewegungen durch Besessenheit von Identitätspolitik

Sojourner Truth, Ain’t I a Woman (1851)

„Der Mann sagt, dass Frauen beim Einsteigen in eine Kutsche geholfen werden müsse, und auch beim Überqueren von Gräben und dass ihnen überall der beste Platz zustehe. Mir hat noch niemand in einen Wagen geholfen oder über eine Schlammpfütze oder den besten Platz überlassen! Bin ich etwa keine Frau? Sehen Sie mich an! Sehen Sie sich meinen Arm an! Ich habe gepflügt, gepflanzt und die Ernte eingebracht, und kein Mann hat mir gesagt, was zu tun war! Bin ich etwa keine Frau? Ich konnte so viel arbeiten und so viel essen wie ein Mann –wenn ich genug bekam –und die Peitsche konnte ich genauso gut ertragen! Bin ich etwa keine Frau? Ich habe dreizehn Kinder geboren und erlebt, wie die meisten von ihnen in die Versklavung verkauft wurden, und wenn ich um sie weinte, hörte mich keiner außer Jesus! Bin ich etwa keine Frau? […]

Da sagt dieser kleine Mann in schwarz da zu mir, Frauen könnten nicht so viele Rechte haben wie Männer, weil Christus keine Frau war! Wo kam denn ihr Christus her? Von Gott und von einer Frau! Ein Mann war nicht daran beteiligt.“[v]

Relevanz der intersektionalen Analyseperspektive an Beispielen

  • Ausbeutung Schwarzer Körperlichkeit (Angela Davis)
  • Sexualisierte Gewalt im Jugoslawienkrieg (Nira Yuval-Davis)
  • „Misogynoir“: Frauenfeindlichkeit, die sich gegen schwarze Frauen richtet
  • Rassistische Fetische: Exotisierung von Women of Color
  • Rassistische Algorithmen, HateSpeech/Gewalt
  • Racial Profiling von Sexarbeiter*innen
  • Sexualisierte Gewalt gegenüber Frauen mit Behinderung in Einrichtungen
  • (Kolonial-)Rassismus der deutschen Frauenbewegungen

Konsequenzen für Kirche

Veranstaltung vom 02. November 2022 Dear white Church – wie kannst Du ‚Safer Space‘ werden?

Der Studientag beschäftigte sich unter anderem damit, Rassismus in kirchlichen Prozessen und Strukturen aufzuzeigen und Strategien für eine anti-rassistische Kirche zu entwickeln.

Einig waren sich die Teilnehmer*innen des Studientages darin, Kirche als einen „Safer Space“ (sicheren Ort) für BIPoC zu gestalten. Dies sei aber ein langer Weg und alle müssten sich aktiv daran beteiligen. Rassismus zu bekämpfen, sei nicht primär Aufgabe derer, die negativ davon betroffen sind. Es sei vielmehr die Aufgabe weißer Menschen, so Daniela Konrädi, Pastorin der Nordkirche.[vi]

Safe –Safer –Braver

  • aus (queer-)feministischer Praxis
  • Sicherheit als Ziel & Illusion
  • physisch abgrenzbarer & sozialer Raum
  • gegenkultureller Raum, der kritisch gegenüber den unseren Alltag beeinflussenden Machtstrukturen ist
  • Reflexion, Heilung, Widerstand, Empowerment, Idenitätsvalidierung, Netzwerk
  • Förderung des Dialogs
  • Vermeidung von Diskriminierungen, Mikroaggressionen, Grenzüberschreitungen…
  • Prozesse & Strukturen für Situationen, in denen Diskriminierungen reproduziert werden

Reflexionsfragen zur kirchlich-kritischen Selbstprüfung

  • Ist Kirche/Gemeinde ein saferspace für Menschen, die von Mehrfach-Marginalisierung betroffen sind?
  • Sind Gottesdienste, Seelsorge, Gemeindegruppen und Jugendarbeit dominanzfrei und herrschaftskritisch ausgerichtet?
  • Im Hinblick auf welche Kategorien sind Gemeindeangebote differenziert?
  • Gibt es Empowerment-Räume für FLINTA?
  • Wer gestaltet Kirche, wer spricht in der Kirche, wer wird in die Kirche eingeladen?
  • Ist die gottesdienstliche Sprache inklusiv und diskriminierungssensibel?

 


 

Quellen

[i] https://www.supernovamag.de/indisch-geil-hatte-ich-noch-nie-warum-dating-als-woman-of-colour-wehtut/

[ii] Ebd.

[iii] Katharina Walgenbach, 2014.

[iv] in: Warum Intersektionalität nicht warten kann, 20. Mai 2019, Von Kimberlé Crenshaw, zitiert nach: https://www.gwi-boell.de/de/2019/05/20/warum-intersektionalitaet-nicht-warten-kann.

[v] Zitiert nach: Natasha A. Kelly, Schwarzer Feminismus. Grundlagentexte, 2019.

[vi] Pressemitteilung, Studientag zum Thema „Rassismus in Kirche“, Vereinte Evangelische Mission (VEM), Dr. Martina Pauly, Wuppertal 04. 11. 2021; https://www.vemission.or

Gender, race, diversity - Themen der Diskussion

Gender, race, diversity – die Themen der Diskussion

 

Rückfragen zum Impulsvortrag

 

Aus welcher Richtung kommt die Kritik am Intersektionalitätsbegriff?

Die Kritik kommt zuerst vor allem aus rechts-konservativer Richtung, oft gekoppelt an eine sog. Identitätspolitik als Vorwurf.

Wenn Wissenschaftler*innen of Color den Begriff kritisieren, beziehen sie sich vor allem auf die Instrumentalisierung durch weiße Intellektuelle: Lehrstühle, die das Buzzword benutzen als Vermarktungsstrategie (analog zum green washing -> diversity washing) – dabei ginge das radikal demokratische, radikal gesellschaftsverändernde Anliegen verloren und es würde unterschlagen, dass das Konzept aus der Schwarzen Frauenbewegung stammt, die den Anspruch verfolg(t)en, eine diskriminierungsfreie Gesellschaft zu schaffen.

Die Neuheit des Begriffs erschwert den Zugang und ruft Berührungsängste hervor. Gibt es kein niederschwelliges Äquivalent im deutschen Sprachgebrauch?

Der Begriff ist keineswegs neu, so Nathalie Eleyth, denn die Beschäftigung aus den Reihen der Schwarzen Frauen geschieht schon seit einem halben Jahrhundert, auch in Deutschland seit den 80ern – weiße Feminist*innen haben nur nicht zugehört. Es gibt kein Äquivalent und es bedarf auch keinem, nur der Bereitschaft, dazuzulernen.

Offene Diskussion

 

Die Personen des Podiums

Nathalie Eleyth ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Christliche Gesellschaftslehre der Evangelisch-Theologischen Fakultät an der Ruhr-Universität Bochum. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Sexualethik, Körperlichkeit, Körperumgang, Sexarbeit, Theologie und Rassismus. Nach dem Studium der Evangelischen Theologie und Religionswissenschaft arbeitete sie zunächst vier Jahre als Jugendpastorin in Krefeld. Neben Aufgaben in universitärer Lehre und Forschung erarbeitet Nathalie Eleyth gegenwärtig ihre Dissertation am o.g. Lehrstuhl zu Fragen einer theologisch-ethischen Bewertung von Prostitution. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen Sexualethik, Körperlichkeit, theologische Genderforschung und Bioethik. Des Weiteren ist sie Redakteurin der theologischen Fachzeitschrift „Zeitschrift für Evangelische Ethik“.

Dr. Antje Schrupp ist Mitglied des Präsidiums von EFiD, Politikwissenschaftlerin, Theologin, Journalistin, Bloggerin und Autorin. Sie beschäftigt sich u.a. mit weiblicher politischer Ideengeschichte, Feminismus und Kapitalismuskritik. Zu ihren aktuelleren Publikationen gehört das 2019 erschienene Schwangerwerdenkönnen. Ihr Essay über Körper, Geschlecht und Politik, aus dessen Fülle an Themen in Bezug auf reproduktive, biologische Differenz und Geschlechterdifferenz wir heute schöpfen werden, um über politische Praxis zu sprechen.

Jana Mechelhoff-Herezi ist Historikerin und arbeitet als Leitung für den Bereich „Erinnerung an Sinti und Roma“ bei der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und war Mitglied der Unabhängigen Kommission Antiziganismus, die eine Bestandsaufnahme des Antiziganismus in Deutschlands für die Bundesregierung vorgelegt hat. Sie war dort als Ausstellungsautorin tätig und entwickelte Programme im Bereich der historisch-politischen anti-rassistischen Bildungsarbeit.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Intersektionalität bisher gemacht?

Als junge Journalistin zu Beginn der 80er Jahre interviewte Dr. Antje Schrupp die jüdische Theologin, Autorin und Hochschullehrerin Susannah Heschel, die damals der deutschen feministischen Theologie Antijudaismus und Antisemitismus[i]vorwarf Heschel kritisierte, dass die feministische christliche Theologie das Christentum als frauenfreundlich und Jesus als den neuen Mann stilisiert habe, der sich Frauen zuwende – im Unterschied zum sog. „patriarchalen, hierarchischen Judentum“. Dr. Antje Schrupp habe daran gelernt, wie einfach man Ungerechtigkeiten und Diskriminierungsformen (re)produzieren könne, auch wenn man es gut meine.

In ihrer eigenen Arbeit als Leitung des Bereichs „Erinnerung an Sinti und Roma“ bei der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, interviewte Jana Mechelhoff-Herezi vor einigen Jahren die Holocaust-Überlebende Zilli Schmidt[ii]. Dabei hat sie festgestellt, dass eine gendersensible Auseinandersetzung mit Antiziganismus/Rassismus[iii] gegen Rom*nja und Sinti*ze[iv]   zu neuen Ergebnissen führt[v]: Romnja hatten beispielsweise andere Überlebensstrategien und ihnen wurde als Frauen auch andere Gewalt angetan als Roma und so ergäben sich auch neue Erkenntnisse über die historische Einordnung. Antiziganismus/Rassismus gegen Rom*nja und Sinti*ze sind ein Problem der Dominanzgesellschaft und sie als weiße Wissenschaftlerin muss ihre Position im Diskurs immer wieder darauf abklopfen, wann und wie sie spricht und welche Räume sie einnimmt, die eigentlich anderen gehören.

Nathalie Eleyth resümiert aus den Erfahrungen der Expertinnen: Intersektionalität stellt keine Fragen nach den Privilegien, sondern dem theologischen Anliegen der Gerechtigkeit.

Was bedeutet das Konzept der Intersektionalität für Kirche?

Tatsache ist, dass der Grad der Sensibilisierung in Bezug auf (Anti-)Rassismus in der kirchlichen Breite enorm unterschiedlich ist, weswegen differenzierte Angebote nötig sind.

Kirche fehlt es an einer engagierten, ernsthaften Bearbeitung der eigenen diskriminierenden Handlungen. Einen Grund dafür sieht Nathalie Eleyth darin, dass Bearbeitung konträr zum eigenen Selbstverständnis läuft. In der Folge werden Diskriminierung und Rassismus häufig stark externalisiert: „Die böse Tat der Anderen“. Eine ähnliche Abwehr sieht sie, wenn Männer sich mit strukturellem Sexismus auseinandersetzen müssen. Dort erscheint häufig die Reaktion „not all men“, also nicht alle Männer seien sexistisch, womit die Verantwortung nach außen verlagert wird.

Einig sind sich die Expertinnen, dass es in Kirche ganz nach Natasha Kelly[vi] strukturelle Lösungen für strukturelle Probleme braucht. Dr. Antje Schrupp kommt zu dem Schluss, dass wir alle rassistisch, antisemitisch, sexistisch sozialisiert sind und es ist daher für die für Kirche wichtig, Anti-Diskriminierungsarbeit strukturell und finanziell zu verankern.

Feministische Theologie hat sich nur am Rande mit Rassismus beschäftigt. Wieso ist es bisher nicht deutlicher gelungen auch die Sichtweisen von Women of Color einzubeziehen?

Widerstände kommen auch daher, dass die Normalitätsunterstellung nicht mehr greift. Es reicht nicht zu behaupten, alle seien gleich und nicht mehr zu diskriminieren, so Dr. Antje Schrupp. Sich mit den eigenen Rassismen auseinanderzusetzen ist auch die Anfrage, sich zu ändern und eine unterstellte Norm, den Status quo, zu bearbeiten.

Wer ist Kirche? Sind wir alle Kirche und sind wir alle rassistisch?

Für eine wissenschaftliche Beschäftigung braucht es einen Analysegegenstand, in Nathalie Eleyths Fall ist es die Kirche. Zur Untersuchung des Gegenstands zieht sie Denkschriften und öffentliche Äußerungen aus Kammern und Arbeitskreisen heran – also öffentliches Material, das einen über-landeskirchlichen Minimalkonsens abbildet. Dabei zeigt sich ein deutliches Ergebnis, was die Sensibilität gegenüber Rassismus betrifft: Es gibt keine Denkschriften, die sich mit kirchlichem Rassismus beschäftigen und rassistische Sprache wird reproduziert.

Dr. Antje Schrupp: „Wir sind natürlich alle Kirche. Aber das heißt ja nicht, dass es nicht innerhalb der Kirche mehr oder weniger machtvolle oder maßgebliche Institutionen gibt, die man dann anders beurteilen muss und natürlich – insofern wir evangelisch sind, sind wir alle irgendwie auch mit an denen [rassistischen Strukturen und Institutionen der Kirche] Schuld. Von daher ist unsere Verantwortung, gerade weil wir Teil der Kirche sind, das nach oben oder an den entscheidenden Stellen einzuklagen.“

Exkurs: Nach dem deutschen Soziologen Aladin El-Mafaalani[vii] haben rassistische Strukturen in den letzten Jahrhunderten zur Stabilisierung des Gesellschaftsmodells beigetragen. Übertragen auf Kirche heißt das, dass Rassismus in der Kirche ebenso stabilisiert und bestimmte Funktionen erfüllt. In der Entwicklungshilfe bspw. können sich Christ*innen als Retter*innen guten Willens aufschwingen[viii].

Viele der Begriffe aus dem heutigen Diskursen scheinen unnahbar und nicht zugänglich. Gibt es Alternativen?

Der Begriff PoC (People/Person of Color[ix]) ist kein akademischer Sonderbegriff, sondern eine Selbstbezeichnung. Ein Begriff, mit dem versucht wird, die Gesamtheit der Menschen zu beschreiben, die sich nicht als weiß positionieren können. In den 70er Jahren hat sich People of Color als Selbstbezeichnung entwickelt, um deutlich zu machen: Wir sind Menschen, die in einer dominant weißen Gesellschaft unterschiedliche Diskriminierungserfahrungen machen.

Nathalie Eleyth: „Schwarze Menschen nenne ich schwarz. Indigene Menschen, Native Americans wollen nicht mit dem I-Wort bezeichnet werden, Schwarze wollen nicht mit dem N-Wort bezeichnet werden und Romn*ja und Sinti*ze wollen nicht mit dem Z-Wort bezeichnet werden. Wir haben einen Begriff für uns gewählt, der uns Empowerment, also Selbstermächtigung gibt.“

Beispiel für Fremdbezeichnung: Farbige (Anm. Red.: farbig ist ein kolonialrassistischer Begriff) Menschen ist keine akkurate Übersetzung für PoC. PoC ist eine Selbstbezeichnung, die keine Entsprechung im deutschen hat oder braucht.

Anm. Red.: kritisches Nachschlagewerk zum Thema diskriminierungssensible Sprache: „Wie Rassismus aus Wörtern spricht. (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache“ von Susan Arndt und Nadja Ofuatey-Alazard.

Besonders empfehlenswert für die Beschäftigung mit und den Wunsch danach, gerechte Sprache zu benutzen, ist das Glossar der Neuen Deutschen Medienmacher (ndm). Für den Begriff PoC steht dort bspw.: „People of Color (PoC) ist eine Selbstbezeichnung von Menschen mit Rassismuserfahrung, die nicht als weiß, deutsch und westlich wahrgenommen werden und sich auch selbst nicht so definieren. PoC sind nicht unbedingt Teil der afrikanischen Diaspora, ursprünglich ist der Begriff u.a. zur Solidarisierung mit Schwarzen Menschen entstanden. Schwarz und weiß sind dabei politische Begriffe. Es geht nicht um Hautfarben, sondern um die Benennung von Rassismus und den Machtverhältnissen in einer mehrheitlich weißen Gesellschaft. Inzwischen wird häufiger von BPoC (Black and People of Color) gesprochen, um Schwarze Menschen ausdrücklich einzuschließen. Etwas seltener kommt hierzulande die Erweiterung BIPoC (Black, Indigenous and People of Color) vor, die explizit auch indigene Menschen mit einbezieht. Singular: Person of Color.“ [x]

Nathlie Eleyth nimmt die Teilnehmenden kurz mit in ihren eigenen kontinuierlichen Lernprozess: Sie stellt selbst immer wieder im eigenen Sprachgebrauch fest, wie ableistisch[xi] sie spräche, z. B. „Der Vergleich hinkt“. In dem sie sich vor Augen führt, dass Behindertenrechtsaktivist*innen für einen sensiblen Umgang mit Sprache kämpfen, arbeitet sie aktiv daran, ableistische Sprache zu verlernen. Es ist auch ein Selbstanspruch, weil sie nicht zu den Menschen gehören möchte, die ungerechte Sprache sprechen, hat das (Ver)Lernen eine hohe Priorität. Geschieht es doch einmal, dann bedeutet das Verantwortung übernehmen: Entschuldigen und daraufhin arbeiten, dass es nicht wieder vorkommt.

An der Bereitschaft, sich auf antirassistische Arbeit zu Konditionen der von Rassismus Betroffenen einzulassen, lässt sich ablesen, wie ernsthaft der Wunsch nach Gerechtigkeit ist, vermutet Antje Schrupp. Diese Bereitschaft ist zwar fordernd, aber immer auch lohnend. Durch die Bereitschaft aller Seiten, sich in einen Lern- und Lehrprozess zu begeben, ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, einen Kulturwandel herzuführen.[xii]

Verlernen ist viel einfacher in der Gemeinschaft. Auch jede Frauengruppe könnte beschließen: „Wir erinnern uns gegenseitig an gerechte Sprache, wir trainieren in regelmäßigen Abständen, wir suchen Kontakt zu Selbstorganisationen. Kirchliche Demographie bildet die gesellschaftliche Demokratie nicht ab. Kirche ist älter als der Schnitt der Gesellschaft. Damit kann es zusammenhängen, dass einem Veränderungen der Sprache nicht selbstverständlich über den Weg laufen und begegnen. Was dazu führt, dass das Erlernen einem schwerer fällt, aber dadurch ist es nicht verunmöglicht.

Davon unberührt sollte aber eine Gesetzeslage sein, die die demokratischen und administrativen Institutionen in die Pflicht nimmt, antidiskriminierend zu arbeiten. Nicht aus Mitleid, sondern aus dem Rechtsanspruch heraus.

Wie kann eine diversitätssensible Veranstaltungsplanung aussehen?

Wie bereitet man eine solche Veranstaltung vor, welchen Pool an Referent*innen gibt es, und wie kann eine diversitätssensible Einbindung betroffener Minderheiten erfolgen, die nicht als reine Alibihandlung[xiii] erscheint also ohne dabei auf Tokenism zu verfallen?

Es ist schon gut, sich überhaupt diese Fragen zu stellen. Auch wenn, so Daniela Konrädi die Zielformulierung natürlich ist, dass sich die prozentuale Verteilung der Menschen gesellschaftlich auch kirchlich (bei Veranstaltungen, Besetzung von Ämtern etc.) abbildet.

Ein sehr einfacher Weg, diversitätssensibler an die Organisationen von Veranstaltungen anzugehen ist es, Kontrolle abzugeben und die Kooperation mit Selbstorganisationen suchen.

Nathalie Eleyth nennt ein Beispiel aus ihrer Arbeit: Bei einer von ihr organisierten Veranstaltung gab es ein Podium aus zwei Wissenschaftlern und einer Wissenschaftlerin. Einer der Wissenschaftler wusste jedoch nicht, dass noch eine Frau auf dem Podium sein würde und zog sich mit der Begründung zurück, er wolle nicht als weißer Mann einen Platz besetzen, der ebenso gut von einer Wissenschaftlerin (of Color) besetzt werden könnte. Ein gelebtes Beispiel von Allyship[xiv]

Warum sind häufig so wenige Männer oder/und Menschen aus Leitungspositionen bei solchen Veranstaltungen?

Vielleicht ist das Erfahren von sexistischer Diskriminierung eine Art Beziehungsangebot und damit ist die Bereitschaft, sich auf die Arbeit mit anders diskriminierten Menschen einzulassen erhöht. Außerdem sind Institutionen wie die Kirche per design für Männer gemacht, daher ist die Notwendigkeit zu eigenen Anti-Diskriminierungsarbeit nicht augenscheinlich. Häufig sind die Positionen der Leitung, oder die von vorrangig Männern besetzt sind, auch nicht auf eine Art divers, die die Auseinandersetzung notwendig macht.

 


 

[i] Antisemitismus ist eine weitere Diskriminierungsachse, die ähnlichen, aber nicht gleichen Narrativen folgt, wie Rassismus

[ii] Zilli Schmidt: „Gott hat mit mir etwas vorgehabt! Erinnerungen einer deutschen Sinteza“, hrsg. v.: Jana Mechelhoff-Herezi & Uwe Neumärker, Berlin, 2020.

[iii] In Antiziganismus steckt das Z-Wort drin und einige Betroffenengruppen wehren sich deswegen gegen diese Variante, Rassismus gegen Rom*nja und Sinti*ze zu benennen. Da es aber sehr gängig ist und das Problem beim Kern trifft, nämlich Rassismus gegen Menschen, die die weiße Mehrheitsgesellschaft erst als Z—imaginiert hat, greift die Stiftung Denkmal z.B. auf die Doppelbezeichnung zurück

[iv] Sinti*ze: Einzahl, männlich: Sinto; weiblich: Sinteza oder Sintiza auch Sintezza/Sintizza; Mehrzahl, männlich: Sinti; weiblich: Sinteze oder Sintize auch Sintezze/Sintizze
Rom*nja: Einzahl, männlich: Rom; weiblich: Romni; Mehrzahl, männlich: Roma, weiblich: Romnja.

Geschlechtergerecht: Sinti*ze/Sinti*zze und Rom*nja

Hierbei handelt es sich um einen Sammelbegriff, der nicht immer und nicht von allen so bezeichneten Personen als zutreffend anerkannt wird. Oft trifft es die konkrete Gruppenbezeichnung eher, bspw. Kalderasch.

[v] Hinweis der Veranstalter*innen: Artikel „Überleben – weiter leben – allen Widerständen zum Trotz. Rassismus gegen Rom*nja und Sinti*ze in Deutschland“ von Jana Mechelhoff-Herezi in leicht&SINN 1/2021

[vi] Natasha A. Kelly (geb. 1973), deutsche Kommunikationswissenschaftlerin, Autorin, Politikerin

[vii] Aladin El-Mafaalani (geb. 1978) ist ein deutscher Soziologe, Politologe, Hochschullehrer

[viii] Mehr dazu auch im zweiten Teil des Seminars vom 10.05.2022 bei „Kirche und koloniales Erbe am Beispiel des Weltgebetstags“

[ix] PoC bzw. People of Color ist ein Begriff aus dem angloamerikanischen Raum, ohne Entsprechung im Deutschen. Bezeichnet keine Hautfarbe im biologischen Sinn, sondern einen Sammelbegriff in politischer Selbstorganisationen und im wissenschaftlichen Kontext von und für Menschen mit Rassismuserfahrung, die durch eine weiß gesetzte Norm entsteht.

[x] https://glossar.neuemedienmacher.de/glossar/filter:p/

[xi] Able-ismus (engl.: able, fähig sein) meint die Diskriminierung von Menschen mit Behinderung und behinderten Menschen. Dabei wird bewusst oder unbewusst eine Norm dessen unterstellt, was Menschen leisten, sein und können müssen, um wertiger Teil der Gesellschaft zu sein.

[xii] Mehr dazu im Teil 3 vom 31.05.2022 in „Handlungsoptionen entwickeln“

[xiii] Im englischen, aktivistischen Umfeld spricht man von Tokenism. Der Begriff kritisierte die US-amerikanische Soziologin Rosabeth Moss Kanter Ende der 1970er-Jahre eine Praxis, wonach gleichstellungspolitische Maßnahmen nur symbolisch unternommen werden. Eine Person wird bspw. im Arbeitskontext zu einem Token (ohne direkte deutsche Entsprechung, in etwa aber degradierende Begriffe wie „Alibi-Frau“ oder „Alibi-Schwarze“ oder auch „Quoten-Frau“) gemacht, wenn sie aufgrund eines zugeschriebenen Merkmals eingestellt wird, nicht als Individuum, und daran aber kein Bemühen um tatsächliche gerechte Verteilung von Ressourcen geknüpft ist.

[xiv] Das Verbündete*r-Sein ist ein lebenslanger Lernprozess von Mitgliedern einer privilegierten Gruppe, um in Solidarität mit Marginalisierten zu handeln. Es geht um das Verlernen, Reflektieren und Zurücknehmen der eigenen Position, ohne in paternalistischen Rettungsphantasien aufzugehen. Die Bewertung der Güte von gelungenem Verbündete*r-Sein liegt dabei bei denen, mit denen man sich alliieren möchte.

Kirche und koloniales Erbe am Beispiel des Weltgebetstages

Der zweite Teil des Seminarreiche am Dienstag, 10. Mai 2022 um 14:00 Uhr, befasst sich mit dem kolonialen Erbe der Kirche am Beispiel des Weltgebetstages. Er startet mit einem Impuls zu „Koloniale Kirchengeschichte(n)“ von Sarah Vecera, stellvertretende Leiterin Region Deutschland der Vereinigten Evangelischen Mission. In der anschließenden Podiumsdiskussion sprechen Sarah Vecera, Daniela Konrädi, Joy Devakani Hoppe, Pastorin der Nordkirche, Arbeitsstelle „Weitblick“, Hamburg, Ute Dilger EKKW, Leitungs-Team WGT-Bundeswerkstätten, Carlotta Israel, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Kirchengeschichte, LMU München, über die Möglichkeiten, die der Weltgebetstag als globale Basisbewegung in Bezug auf Anti-Diskriminierung bietet.

In der Dokumentation finden Sie hier:

  • Impulsvortrag „Koloniale Kirchengeschichte(n)“ von Sarah Vecera, Stellvertretende Leiterin Region Deutschland der Vereinigten Evangelischen Mission
  • Schriftliche Zusammenfassung der Präsentation von Sarah Vecera
  • Schriftliche Zusammenfassung der Podiumsdiskussion mit:
    • Joy Devakani Hoppe, Pastorin der Nordkirche, Arbeitsstelle „Weitblick“, Hamburg
    • Ute Dilger EKKW, Leitungs-Team WGT-Bundeswerkstätten
    • Carlotta Israel, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Kirchengeschichte, LMU München,
Video: Koloniale Kirchengeschichte(n) - der Impulsvortrag Sarah Vecera

Das Video zeigt nur den Impulsvortrag von Sarah Vecera. Das Video wird von unserem YouTube-Kanal eingebettet. Die automatisch generierten Untertitel befinden sich derzeit in Überarbeitung.

 

Koloniale Kirchengeschichte - die Kernaussagen der Präsentation

Koloniale Kirchengeschichte(n)

ein Vortrag von Sarah Vecera im Seminar „Diversity in der kirchlichen Arbeit“ des Evangelischen Zentrums Frauen und Männer – Fachbereich Frauen, 10. Mai 2022, 14.00-17.00 Uhr

Einstieg

Rassismus – eine Begriffsbestimmung

Erfindung der Menschenrassen

Das Märchen von der Augenhöhe

Die Rolle der weißen Frau im Kolonialismus

Die Rolle der Schwarzen Frau im Kolonialismus

Perspektive von Menschen aus dem globalen Süden auf Kolonialzeit

Welche Bilder transportiert die Kirche?

Lernfeld und Verantwortung für die Kirche

Beispiel aus der Vereinten Evangelischen Mission

Internationaler VEM-Brief an die deutschen Partnerschaftsgruppen

Was können wir tun?

Ökumene, WGT und Partnerschaftsarbeit als Chance

Buchtipp

Einstieg

Es gibt keinen Ort ohne Rassismus

  • Emotionales Thema, was in Ordnung ist und ernstgenommen werden muss
  • Feststellung immer wieder, dass in der Auseinandersetzung rassistischen Verstrickungen geliebter eigener Institutionen, Kulturgüter (wie beispielsweise Kirche und WGT) Widerstand aufkommt
    • WGT: Jahrzehnte gut gemeintes Engagement, Bemühungen vorhanden und Kritik daran wird als persönliche Kritik aufgefasst, was zu heftigem Widerstand führt
      • Widerstand führt zu Rechtfertigung statt produktiver Bearbeitung
      • Anliegen des WGT ist schon lange, Rassismus zu überwinden, Transkulturalität auf den Weg bringen
    • Auch viel Potential, die in kirchlicher Ökumene immer noch sehr präsenten Stereotype zu bearbeiten
      • WGT wird ungerechterweise auch von anderen kirchlichen Institutionen als Strohmann benutzt, damit diese die Beschäftigung mit den eigenen Rassismen abwälzen können
    • Steht der WGT für die Überwindung von Rassismus oder ist er Nährboden für Rassismus?
      • Emotionalität braucht einen Raum, gleichzeitig muss verstanden werden wie diese Gefühle überhaupt Raum bekommen, aus welchen Strukturen und Geisteshaltungen dies hervorgeht
    • Rassismus betrifft alle, niemand hat es sich ausgesucht, aber
      • Die einen werden davon privilegiert
      • Die anderen davon unterdrückt
      • Deswegen: Beschäftigung mit Rassismus ist obligat, wenn man tatsächlich zusammen auf dem Weg sein möchte

Rassismus – eine Begriffsbestimmung

Vorurteil + Macht + Rassenkonstrukt

Persönliche Vorurteile, Ressentiments
+ systemischer Machtmissbrauch, strukturelle Benachteiligung
+ Verfremdung

Erfindung der Menschenrassen

  • Wegebnung für die koloniale Herrschaft durch die Aufklärung
  • Erfindung der Menschenrassen durch die Aufklärung war ein Legitimationstrick der Aufklärung (1720-1800)
    • Gleichzeitige Hochhaltung der Gleichheit aller Menschen einerseits und der Entmenschlichung andererseits -> Wie in Einklang bringen?
    • Philosophie, Kirche und Wissenschaft trugen zur moralischen Untermauerung von der Entstehung des Rassenkonstrukts bei
      • Unterteilung von Menschen in Klassen, worin nur Menschen der ersten Klasse (weißeMitteleuropäer*innen) Träger*innen der Gleichheit sind
      • Theologie, Orientierung an Farblehre: biblisches Weiß und Schwarz assoziiert mit gut und schlecht -> Übertragung auf menschliche Hautfarbe
        • Abstraktion funktioniert bis heute
      • Begriff „Rasse“ wurde von einem Arzt von der Tier- auf die Menschenwelt übertragen

Diese Perspektiven auf Menschen zogen sich durch die Geschichte, begünstigten die koloniale Ausbeutung und bestimmen heute unsere Positionen im gesellschaftlichen Gefüge.

Das Märchen von der Augenhöhe

  • Bildanalyse durch eine anti-rassistische Brille zeigt, dass selbst, wenn sich alle einig sind, dass es keine Menschenrassen gibt, die damit einhergehenden Prozesse des „Anders-machen“ trotzdem noch greifen
  • Geschärfter Blick ist daher wichtig, besonders in der Ökumene (WGT, Partnerschaften, etc.)
  • Bilder prägen uns; Bsp. Kinder, sowohl weiße[i] als auch Schwarze[ii], ordnen in Experimenten positive Eigenschaften vorrangig weißen Puppen zu
    • Zeigt, dass Kinder auch passiv Zuschreibungen aufnehmen
    • Zeigt auch, dass Schwarze Kinder sich selbst entmenschlichen
  • Spendenplakate, Jim Knopf etc. stellen auf eine Art das Verhältnis zwischen weißen Personen und Schwarzen her, welches es unmöglich macht, nicht koloniale, hegemoniale Muster mitzudenken

Der Weltgebetstag hat hier die Chance, ganz bewusst in eine andere Richtung zu gehen und andere Bilder in die Köpfe zu pflanzen.

Die Rolle der weißen Frau im Kolonialismus

  • Weiße Frauen als Kolonialverbrecherinnen (z.B. als Sklavenhalterinnen, Plantagenbesitzerinnen)
  • Keine Möglichkeit, sich parlamentarisch zu beteiligen -> Hoffnung auf politisches Mitspracherecht
  • Weißer Feminismus

Die Rolle der Schwarzen Frau im Kolonialismus

  • In kolonial-rassistischer Hierarchie die letzte Stufe menschlicher Existenz
  • Schwarzen, kolonialisierten Männern untergeordnet
  • Zu Lebzeiten entmenschlicht, in der Geschichte unsichtbar gemacht

Perspektive von Menschen aus dem globalen Süden auf Kolonialzeit

Die Mission der Kirche ist der größte Feind des Evangeliums. – Paul Verghese[iii]

When the missionaries came to Africa, they had the Bible and
we had the land. They said: „Let us pray.“
We closed our eyes. When we opened them, we had the Bible
and they had the land. 
– Desmond Tutu[iv]

Welche Bilder transportiert die Kirche?

  • Missionarisch-koloniale Darstellung Schwarzer Personen als Bsp. Spardosen
  • Weiße helfen – weiße Retter
  • Weiße Theologie ist Norm, obwohl in der Welt 70% der Menschen PoCs sind
  • Darstellungen in Kirchen, bspw. die heilige Familie als weiße Familie

Das Narrativ „Schwarz sind die Armen – weiß sind die Helfenden“ wird aufrechterhalten.

Lernfeld und Verantwortung für die Kirche

„In allen Dimensionen, also der ökonomischen, der kulturellen und der psychischen, profitiert man als durch Rassismus privilegierte Person, ob man will oder nicht, und ein durch Rassismus negativ betroffener Mensch ist Risiken ausgesetzt. Es handelt sich um ein komplexes Herrschaftsverhältnis und um ein gesellschaftliches Strukturierungsprinzip, das alle Menschen auf unterschiedliche Weise betrifft.“.[v]

Wir sind alle betroffen, positiv oder negativ, und können uns dem nicht entziehen.

  • in Kirche meinen es viele Leute gut und sind daher vor den Kopf gestoßen
  • Aufforderung, den gesellschaftlichen Frieden durchzurütteln und noch mal nach Gerechtigkeit abzuklopfen:

Ich bin fast zu dem bedauerlichen Schluss gekommen, dass der große Stolperstein für die Schwarzen auf dem Weg zu Freiheit nicht der weiße Bürgerrat oder der Ku-Klux-Klan ist, sondern der weiße Liberale, der sich mehr der Ruhe als der Gerechtigkeit verpflichtet fühlt und der einen negativen Frieden, d.h. die Abwesenheit von Anspannung einem positiven Frieden, d.h. der Gegenwart von Gerechtigkeit, vorzieht. – Martin Luther King Jr

Beispiel aus der Vereinten Evangelischen Mission

Ursprünglich klassisches Missionswerk

  • 1828 Rheinische Missionsgesellschaft
  • 1886 Bethel-Mission
  • 1965 Zaire-Mission

erste Änderungsversuche in den 70ern mit Fokus auf mehr wechselseitigen Austausch (Deutschland immer noch im Zentrum)

  • 1971 Zusammenschluss zur Vereinigten Evangelischen Mission
  • 1976 Start des Prozesses „United in Mission“ als Vereinte Evangelische Mission

1996 Start der Internationalisierung als Vereinte Evangelische Mission

  • Mehrheit der vereinten Kirchen liegt nicht (mehr) in Deutschland, sondern im globalen Süden
  • Obwohl längerer und ernsthaft bemühter Transkulturalisierungsprozess läuft, ist auch hier gerade in den Partnerschaften noch viel zu tun

Internationaler VEM-Brief an die deutschen Partnerschaftsgruppen

  • „Geber-Nehmer“-Mentalität
  • Paternalistisches System
  • Alte Stereotype sind verfestigt
  • Weiße Dominanz in Kommunikation

„Eine echte christliche Partnerschaft würde die falschen kolonialistischen Gefühle wirtschaftlicher Überlegenheit einerseits und das Abhängigkeitssyndrom andererseits überwinden. Interne Konflikte in den asiatischen und afrikanischen Kirchen werden durch die Intervention von den deutschen Partnern – unter dem Vorwand der Mediation – häufig verschärft.“

Die Reaktionen waren wie aus dem Lehrbuch, Distanzierungsmuster nach Astrid Messerschmidt, 2010

  • Rassismusdiagnosen als Skandal
  • Verlagerung von Rassismus in den (Rechts-)Extremismus
    • Häufig in kirchlicher Öffentlichkeit
    • Sprache von Fremdenfeindlichkeit
  • Kulturalisierung
    • Kultur als die „quasi Rasse“
    • Unterschiede auf Kultur verschoben -> kann also kein Rassismus sein, wenn es um Kultur geht
  • Verschiebung von Rassismus in die Vergangenheit
    • Bis 1945 biologischer Rassismus
    • Seit 1945 Neorassismus/Kulturrassismus
  • Täter*innen-Opfer-Umkehr
  • Weiße Zerbrechlichkeit

Was können wir tun?

  • Anti-Rassismus Training
    • persönlich
    • strukturell
  • Empowerment-Kurse und -Räume, um PoC einen safer space[vi] zu ermöglichen und sie sprachfähig zu machen
  • Platz schaffen und Raum geben
  • Verantwortung teilen und neue Strukturen ermöglichen

Ökumene, WGT und Partnerschaftsarbeit als Chance

  • Gute, große Netzwerke und Beziehung nutzbar machen
  • Den Generationendialog nutzbar machen

Eine andere Welt ist nicht nur möglich – sie ist auf dem Weg. Vielleicht werden viele von uns nicht hier sein, um sie zu begrüßen, aber an einem ruhigen Tag wenn ich ganz genau hinhöre, kann ich sie atmen hören. – Arundhati Roy[vii]

Buchtipp

Sarah Vecera, Wie ist Jesus weiß geworden? Mein Traum von einer Kirche ohne Rassismus, Patmos (Ostfildern), 2022.

 


 

[i] „Geht es um Zugehörigkeit, Teilhabe und Rassismus, ist immer öfter von Weißen die Rede. Häufig herrscht das Missverständnis, es ginge dabei um eine Hautfarbe. Tatsächlich meint weiß eine gesellschaftspolitische Norm und Machtposition und wird deshalb in wissenschaftlichen Text oft klein und kursiv geschrieben. Der Begriff wird als Gegensatz zu People of Color und Schwarzen Menschen verwendet. Dabei müssen sich z.B. weiße Deutsche nicht selbst als weiß oder privilegiert fühlen.“ Aus: Glossar der Neuen Deutschen Medienmacher

[ii] „Schwarz ist eine Eigenbezeichnung, die viele afrodiasporische Menschen und Initiativen verwenden. Sie kommt aus dem englischsprachigen Rassismusdiskurs (»Black«). Auch hier geht es nicht um Hautfarbe, sondern um den Gegensatz zu weiß (vgl. PoC). Als politische Selbstbezeichnung wird Schwarz groß geschrieben [sic!] – auch von immer mehr Medien. Seit Juli 2020 hat bspw. die New York Times die Großschreibung von »Black« in ihren redaktionellen Stilvorschriften festgelegt. Die spezifische Rassismuserfahrung, die Schwarze Menschen machen, wird als antischwarzer Rassismus bezeichnet.“ Aus: Glossar der Neuen Deutschen Medienmacher

[iii] Paul Verghese (19221996), indisch-orthodoxer Priester, Metropolit, Theologe

[iv] Desmond Mpilo Tutu, (19312021) südafrikanischer anglikanischer Geistlicher, Menschenrechtsaktivist

[v] Aladin El-Mafaalani, Wozu Rassismus?, S. 16.

[vi] Safe Space: Diskriminierungsfreier Raum für bestimmte (marginalisierte Gruppen)

Safer Space: In Annerkennung dessen, dass safe space kaum herzustellen ist, meinen safer paces das aktive Bemühen um und Herstellen von sichereren, diskriminierungsfreien, machtbewussten Räumen (durch bspw. paritätische Redner*innenlisten in gemischten Gruppen)

Braver Space: Erweiterung des safer space-Konzept um unter gesicherten Rahmenbedingungen Themen, Ideen etc. zu besprechen, die von allen Mut erfordern.

[vii] Suzanna Arundhati Roy (geb. 1961), indische Schriftstellerin, Drehbuchautorin, politische Aktivistin, Globalisierungskritikerin

Kirchliche Kolonialgeschichte(n) - Themen der Diskussion

Zur Heftigkeit der Reaktionen

 

Kommen die heftigen Reaktionen auf Rassismusbefunde im WGT daher, dass dieser als rassismusfreier Raum imaginiert wird?

Sarah Vecera vermutet, dass es eher daran liegt, dass der WGT zum einen mit vielen positiven Gefühlen verbunden wird und es zum anderen als unfair empfunden wirde, dass so getan wirde, als sei der WGT die einzige Bewegung mit rassistischen Strukturen.

Sarah Vecera: „Seit zwei Jahren reden wir gesamtgesellschaftlich viel mehr über Rassismus. Wenn wir ihn in Kirche besprechen, dann verorten wir ihn eher in der Ökumene, in Partnerschaftsarbeit, dem WGT; aber nicht als Querschnittsthema. Das langjährige Engagement, die Freundschaften, die guten Beziehungen werden in Frage gestellt, wenn jemand dort mit dem Finger draufzeigt. In der Ökumene wird es besonders sichtbar, aber ehrlicherweise ist der WGT nicht rassistischer ist als andere kirchliche Institutionen. Hier wird sich zumindest überhaupt damit beschäftigt und eigentlich schon so lange daran gearbeitet, Rassismus zu überwinden.“

Die sehr heftigen Reaktionen auf Rassismusbefunde und allein der Begriff ‚Rassismus‘ rufen so starke Gegenwehr hervor, dass dies die Bildungsarbeit an der Basis blockiert. Was tun?

In Deutschland tue man sich mit dem Rassismusbegriff schwer, weil wir diesen eher vor 1945 verorteten, so Sarah Vecera. Daher gilt es, den Blick zu schärfen für die Orte, wo wir koloniale Denkweisen weitertragen.

Sarah Vecera: „Natürlich liegt auch bei uns das Geld, und natürlich haben wir dadurch eine Verantwortung – aber wie gehen wir mit dem Geld um: und koppeln wir das, wie oft bei den Partnerschaften, direkt an die Partnerschaften oder, so wie bei der VEM: Geld aus der Partnerschaft raus, Geld über die VEM als Kirchengemeinschaft? So kann in den Partnerschaften eine Konzentration auf die inhaltliche Arbeit geschehen.“

Wie kann man den Begriff Rassismus an sich heranlassen?

  1. Schritt: Eine Rassismusanalyse, bzw. einen Rassismusbefund nicht sofort als Vorwurf verstehen. „Pippi Langstrumpf ist rassistisch“ ist eine Feststellung. Das heißt NICHT ‚Ich werfe dir vor, rassistisch zu sein, solange oder weil du es liest.‘
  2. Schritt: Das Anprangern struktureller Missstände nicht als persönliches Versagen interpretieren.
  3. Schritt: Zeit nehmen für die notwendige emotionale Arbeit: Intellektuell lässt sich schnell sagen, warum bzw. an welchen Stellen Pippi Langstrumpf rassistisch ist, trotzdem koppeln wir daran Erinnerungen, sind dem Buch emotional verbunden. Die Abwehr kommt, weil die emotionale Verbindung mit etwas, das rassistisch[i] ist, nicht vereinbar mit einem Selbst- oder Weltbild ist. So wird mit Rechtfertigung reagiert, statt mit sich wirklich auseinanderzusetzen. Aus dem Gefühl der Defensive herauszukommen: „Das braucht Zeit!“, so Sarah Vecera, und Begleitung in Form von Antirassismus-Trainings, um dabei auch die strukturelle Ebene im Blick zu behalten und nicht zu kapitulieren vor der Unmöglichkeit, Rassismus alleine beenden zu müssen.

Offene Diskussion

Die Personen des Podiums und ihre Erfahrungen mit der WGT-Arbeit

Ute Dilger kommt aus einer Missionarsfamilie, die über die Baseler Mission im Ausland waren. Sie ist stark von der kritischen Sichtweise ihrer Eltern auf die Missionsgesellschaften und kirchlichen Institutionen geprägt. Heute organisiert sie die WGT-Werkstätten auf Bundesebene und spricht sich dort gegen das Verkleiden[ii], „Ich-Form“-Äußerungen und jegliche Formen der Aneignung aus.

Joy Devakani Hoppe ist bereits während ihrer theologischen und wissenschaftlichen Ausbildung in Indien mit der deutschen Hegemonie der Theologie in Kontakt gekommen. Hier in Deutschland ist sie oft als PoC zu den Weltgebetstagsgottesdiensten eingeladen worden, nie als Pfarrerin oder gleichberechtigte Theologin, und musste sich dann darauf einstellen, dass ihr ein bestimmter Platz und Text während der Gottesdienste zugewiesen wurde. Sie beschreibt, dass dies über die Zeit seinen bleibend unangenehmen Geschmack hinterlassen habe.

Carlotta Israel hat in ihrem Beitrag „Hat der Weltgebetstag eine Zukunft?“ ihre Erinnerungen an die eigenen Erfahrungen mit dem WGT in der Gemeinde ihrer Kindheit untersucht und daraus heute Anfragen an die WGT-Bewegung zum Verkleiden, Lesen in „Ich-Form“ und weiteren Formen der Aneignung, und des white saviour complex[iii] formuliert. Zugleich sieht sie aber auch die empowernde Wirkung des WGT für Frauen und vermutet, dass daher auch die Untersuchung des WGT heute vor allem unter Gesichtspunkten der feministischen Theologie geschieht, selten aus rassismuskritischer Perspektive.

Daniela Konrädi stellt fest, dass unsere koloniale Geschichte uns alle unbestritten prägt und uns in ein rassistisches, hierarchisierendes System einbettet. Es ist auch davon auszugehen, dass die allermeisten der Personen in der WGT-Arbeit dies ebenso ablehnen, wie die Teilnehmenden und Expertinnen hier, trotzdem sind rassistische Erfahrungen für PoCs im WGT keine Seltenheit.

Warum sind rassistische Strukturen im WGT trotz der allgemeinen Ablehnung so maßgeblich und was sind Überlegungen, dies konkret zu ändern?

Die historische Perspektive ist nicht zu vernachlässigen, denn aus dieser werden bis heute koloniale Gedanken weitergegeben: Kolonialisten brauchten Land, also haben sie es sich genommen; sie brauchten Menschen, also haben sie diese an sich gebunden. Heute hat das deutsche Komitee des WGT mehr Geld, während die Partner*innen dieses brauchen. Aber WARUM haben sie mehr Geld? Weil sie von jahrhundertelanger Ausbeutung derer profitieren, denen sie sich nun gönnerhaft zuwenden können. Ein wichtiger Schritt, dies aufzulösen ist es, Räume und Kontrolle abzugeben.

Eine Erklärung kann sein, dass die Auseinandersetzung mit dem, wie die Textbücher zusammenkommen nicht in den Gemeinden ankommt, außerdem ist fragwürdig, inwieweit Austausch auf Augenhöhe in den Gemeinden darüber stattfindet. Bereits angewandte Konzepte sind dafür, die Stimmen derjenigen zu bestärken, die hier in Deutschland dem jeweiligen Land verbunden sind, so Ute Dilger. Damit würde hervorgehoben, was im WGT in Deutschland nicht abgebildet wird, nämlich die dem internationalen WGT inhärente Diversität.

Wie übersetzt man eine diversitätssensible und antirassistische Haltung in Arbeit?

Sarah Vecera berichtet von ihrer Arbeitgeberin, dass die VEM klare Richtlinien für die internationale Bildungsarbeit habe, wonach es im Kern darum geht, dass jedes Team von Anfang an paritätisch aufgestellt sein müsse. Ute Dilger merkt dazu an, dass es bereits jetzt so ist, dass die Texte ohne Kontrolle durch das deutsche Komitee aus den jeweiligen Ländern kommen. Derzeit gehe es darum, vermehrt Kontakt aufzunehmen mit den Schreiber*innen der Texte.

Es zeigt sich, dass konkret bereits vieles im Gange ist, was für eine antirassistische Gestaltung der WGT-Räume hilfreich ist. Carlotta Israel merkt beispielsweise an, dass die übergriffigsten Formen der Aneignung wie zum Beispiel das Sprechen aus der Ich-Perspektive oder Verkleiden, die sie in ihrer Kolumne für die Eule anmerkte, kaum noch oder gar nicht mehr praktiziert werden. Trotzdem wird seitens des WGT beklagt, dass wenige PoCs Interesse hätten, zum WGT zu kommen. Eine Erklärung liegt möglicherweise im Umgang mit den eingeladenen PoCs: Es wird die Erfahrung beschrieben, in die Werkstätten eingeladen zu werden, um dort eine dekorative Rolle zu spielen, und nicht, um als Theolog*in oder Pfarrer*in qualifizierten Input einzubringen:

Joy Devakani Hoppe: „Warum kommen wir nicht? […] Warum erreicht ihr uns nicht? Weil wir immer eine zweite Rolle spielen. Wir werden nicht als gleich autorisiert akzeptiert und das merken wir. […] Wir gehen in unsere eigenen Communities, nicht weil wir das unbedingt wollen – wir wollen Freundschaften entwickeln, wir wollen mit euch lachen – sondern weil wir bei euch nicht gleich behandelt werden.“

Gibt es ein Bewusstsein in der WGT-Arbeit in Deutschland, dass eine derartige Betroffenheit besteht?

Aus dem gegenwärtigen Theologiestudium hält Carlotta Israel fest, dass die Lehrinhalte überwiegend von deutschen, weißen Männern kommen, dass also auch hier schon eine Normalität vermittelt wird, die es schwermacht, darüber hinaus zu denken. „Theologie sind alte, weiße Männer“ ist eine Feststellung, die erst im Kontrast wirkt und sich in der persönlichen Begegnung zeigt. Diese Begegnungsräume sicher für die Betroffenen zu gestalten, ist wichtige Aufgabe im Prozess der Verantwortungsübernahme.

Gleiches gilt für diesen Raum: Es lässt sich feststellen, dass die bloße Äußerung einer Expert*in, die Feststellung: „Ich will das [in eine Rolle gezwungen werden] so nicht mehr“ solche Reaktionen unter den Teilnehmenden des Plenums hervorgerufen hat. Dies sei ein sicheres Zeichen dafür, dass eine zentrale Forderung aus Sarah Veceras Vortrag nicht umgesetzt wird: Es gelinge nicht, sich einen Moment zurückzunehmen und darauf zu vertrauen, das PoCs versuchen zu erklären, worunter sie auch in der WGT-Arbeit leiden und dies entsprechend wahrzunehmen.

Das gelingt nicht, weil jedes Stichwort eine Gegenreaktion hervorruft. In Rückbezug auf Carlotta Israels Aussage ist es Aufgabe der weißen Frauen sich zu bilden und zu schauen, wo sie Teil dieses hierarchischen, rassistischen Systems sind. Das bedeutet vor allem: Zuhören und hinnehmen.

Rassistische Denkstrukturen zu durchbrechen[iv] müsse ganz vorne beginnen, wie zurück zu dem Moment, wo man Radfahren lernte, so Joy Hoppe. Dabei sei es zweifelsfrei verletzend, das ganze eigene System in Frage gestellt zu bekommen, für weiße – aber auch für PoCs.

Joy Devakani Hoppe: „Ihr Weißen habt uns jetzt so viele Jahrhunderte das Gefühl gegeben, wir seien dumm, nicht normal, wir bräuchten Bildung, Entwicklung … Jetzt wollen wir auf Augenhöhe eure Geschichten hören und unsere Wahrheiten erzählen. Wir haben eigene Theologien, die wir erzählen können.“

Dabei geht es beispielsweise auch darum, die Vormachtstellung deutscher Theologie und Hoheiten in Räumen zu verändern.

Joy Devakani Hoppe: „Wenn wir einmal etwas sagen, fühlt ihr euch gleich verletzt und dann muss ich schweigen. Ich will nicht gleich sein mit euch, ich will Mensch sein. Der WGT kann schön sein, aber so wie er jetzt ist, ist er typisch weiß.“

Sarah Vecera weist das Plenum daraufhin, was für ein großer Gewinn es ist, dass es hier eine dass es hier eine Person aus dem globalen Süden[v], die Kolonialismus am eigenen Körper erfahren hat und bereit ist, darüber offen zu kommunizieren. Sie bedankt sich für diese geteilte Erfahrung und stellt diesen die parallelen Diskussionen im Chat gegenüber, die sich durch Rechtfertigungen der eigenen Tätigkeiten beim WGT im Sinne von „Wir machen doch“, „Wir arbeiten doch dran“ auszeichnen. In der Beantwortung der Frage, was man konkret machen kann, sind genau solche PoC-Stimmen der Maßstab[vi].

Sarah Vecera: „Zehn Bilder aus Deutschland, würden die die echte deutsche Geschichte einer deutschen Frau abbilden? Noch keine queere Perspektive drin. Das scheint viel, müssen wir denn wirklich noch mehr? Ja, so anstrengend ist es leider. Rassismus sitzt im Kern und wir müssen tatsächlich jede Normalität hinterfragen. Aber im Endeffekt kommen wir dem, was wir wollen, dem Evangelium, näher, wir sind in einem Befreiungsprozess.“

Themen in der Diskussion

Rassismuskritische Fort- und Ausbildung im Rahmen der WGT-Arbeit ist notwendig, um im Komitee und an der Basis den rassismuskritischen Blick durchzusetzen. Wie kann das aussehen?

  • große verbandliche Frauenorganisationen tragen den WGT und die Geschäftsstelle: Frauenverbände müssen das mit in die Frauenbildungsarbeit nehmen, um dieses Thema wirklich echt in die Frauenarbeit einfließen zu lassen
  • Vorstand des deutschen Komitees: wenig Mittel -> trotzdem hauptverantwortlich; institutionalisiert ist der rassismuskritische Blick auf die Materialien nicht
  • Querschnittsthema, das durch Intersektionalität in der Frauenarbeit besondere Anknüpfungspunkte bietet, aber es betrifft jede Form von Gemeindearbeit und kirchlichem Handeln

Impuls: in den WGT-Heften sichtbar machen, unabhängig von Land und Thema: „Wir als WGT sind unserem eigenen Rassismus auf der Spur, wir haben da was gemerkt, wir sind im Prozess!“

Was machen wir mit den WGT-Gruppen, die nach wie vor teilweise rassistische Praktiken tradieren? Wie gehen wir mit den (Frauen)Gruppen an der Basis um?

  • Verantwortung auf verschiedenen Ebenen der Frauenarbeit übernehmen:
    • als Multiplikator*innen die übernehmen (bspw. durch Multiplikator*innenausbildung[vii] oder durch eigene Quellenstudien und Stichwortsuchen in Internet und Literatur mit der entsprechenden Zeit, die es braucht)
    • Ehrenamtliche begleiten und an Ort und Stelle die Frage stellen: Wie blicken wir auf die Frauen und werden wir ihnen gerecht? Selbstverständlich in den Werkstätten einbinden
    • durch antirassistische Arbeitseinheit regelmäßig und obligatorisch anbieten auf Bundeswerkstätten
  • Rassismus nicht als Thema, sondern als Realität verstehen, die einen großen Teil der Frauen in Deutschland negativ betrifft: struktureller Rassismus
  • Nicht in Aktionismus verfallen und andere belehren, sondern den Lernprozess und sich selbst ernstnehmen
  • im Nachgang der Veranstaltung Input wirken lassen, erneut einlesen, versuchen, Wirkungsweisen zu verstehen und Rassismus in uns zu bearbeiten

Sarah Vecera: „Auch hier sitzen wir als Lernende zusammen. Ich selbst bin seit 38 Jahren von Rassismus betroffen, seit 15 Jahren habe ich Worte dafür, seit zwei Jahren spreche ich in der Öffentlichkeit darüber und merke immer noch, dass ich immer was dazulerne! […]  25 Jahre habe ich gedacht: ‚Ich bin das Problem, mit mir ist etwas verkehrt, ich bin nicht für diese Welt gemacht.‘“

Carlotta Israel: „Auch wenn’s unangenehmen ist, braucht es das eigene Privilegien-Checken, das eigene Weiß-Sein überdenken, das eigene cis-Sein bedenken. Sich selber als privilegierte Person zu erkennen, ist ein großer Gedankenschritt. Da wäre vielleicht sowas wie ein Fragebogen zum zum Privilegiencheck als Material[viii] sinnvoll.“

Wie können wir wirklich auf Augenhöhe Frauen aus dem globalen Süden in die WGT-Arbeit einbinden, ohne dass rassistische Situationen aufgezwungen werden?

  • Prärogativ ablegen, white saviours zu sein zu können, um sich ehrlich zu machen: Wo bin ich rassistisch (sozialisiert), wo reproduziere ich Rassismen?
  • Möglicherweise dritter Ort (der für alle neu ist)
  • Kontakt zu migrantischen Communities, Selbstorganisationen aufnehmen; Gästin sein
  • Wie umgehen mit bspw. Liedern, die kolonialistisch sind, aber von den Ersteller*innen vorgeschlagen werden?
    • Nicht Trugschluss erliegen oder erwarten, dass alle PoCs Rassismusexpert*innen sind[ix]
    • Möglicherweise kommentieren im Druck, Aufklärungsarbeit leisten
    • Rassismuskritik immer als Impuls in die Materialien aufnehmen, mit allen Lesenden auf dem Lernweg bleiben

 


 

[i] ‚Rassistisch‘ wird dabei nicht als strukturell, sondern als rassistische, also bösartige Intention verstanden: die böse Tat eines bösen Menschen.

[ii] In heutigen Weltgebetstag-Gruppen in der Regel nicht mehr praktiziert.

[iii] „Der von Teju Cole geprägte Begriff „White Savior Complex“ beschreibt ein Phänomen, nach dem sich weiße Menschen aus dem Globalen Norden dazu berufen fühlen, in Ländern des Globalen Südens Entwicklungs-, Aufklärungs- oder Hilfsarbeit zu leisten.“ (in Brückenwind am 9.9.2020). Die häufig gute Absicht ändert dabei nichts daran, dass darunter ein hegemoniales Verständnis von einer Berechtigung, über die Hilfsbedürftigkeit nicht-weißer Menschen entscheiden zu dürfen/müssen, liegt.

[iv] Anm. Red.: Hinweis aus dem Chat auf Tupoka Ogette: Exit Racism als ein guter Startpunkt, um sich praktisch auf den Weg zu begeben

[v] Der Begriff „globaler Süden“ ist kein geografischer Begriff. Er beschreibt hingegen die Ländergruppe der sogenannten Entwicklungs- und Schwellenländer. Er möchte diese beiden wertenden Begriffe durch einen neutralen Begriff ersetzen. Vgl. Wikipedia Eintrag „Globaler Süden“

[vi] Anm. Red.: Vgl.: Dokumentation Tag 1, Viele der Begriffe aus dem heutigen Diskursen scheinen unnahbar und nicht zugänglich. Gibt es Alternativen? Intersektionalität in Veränderungsprozessen – Weiterbildung zur Multiplitkator*in

„Teilhabe für alle gehört zum Selbstverständnis und zum Auftrag von kirchlichen, caritativen und zivilgesellschaftlichen Einrichtungen und Organisationen. Trotzdem gibt es auch hier systemische Ungleichheit, Abwertung und Ausgrenzung, die immer wieder reproduziert werden.

[…] Sie erhalten Einblicke, wie Sie Prozesse diversitätsbewusst und machtkritisch gestalten können und hierfür mit Netzwerken von Unterstützer*innen (Allys) zusammenarbeiten. Dafür bietet die Weiterbildung Räume zum Ausprobieren, zum Arbeiten an eigenen Kompetenzen und Unsicherheiten, zur Reflexion Ihrere eigenen Haltung und Situation und Kontakt zu erfahrenen Gesprächspartner*innen.“ Ebd. 

[vii] Anm. Red.: Vgl.: Dokumentation Tag 1, Viele der Begriffe aus dem heutigen Diskursen scheinen unnahbar und nicht zugänglich. Gibt es Alternativen?

[viii] Anm. Red.: Material in der Frauenarbeit vorhanden, bspw. leicht&SINN 2/2021 Sami Omar, „Keinen Anspruch auf den Blick“ plus zug. Anna Hofmann, „Anleitung zur Gruppenarbeit“

[ix] Anm. Red.: Beispiel des WGT20 – Frauen in Surinam schlagen für das Arbeitsheft Lieder aus niederländischem Gesangbuch vor, mit denen sie missioniert wurden und die sie seit ihrere Kindheit lieben. Sarah Vecera: „An dem Beispiel der Frauen aus Surinam, die Lieder ihrer Kolonialherren vorschlagen, sehen wir wie tief wir alle drin stecken in kolonialen Denkmustern.“

Handlungsoptionen entwickeln – was können wir tun?

Der dritte Teil der Veranstaltung widmet sich den Handlungsoptionen für die kirchliche Arbeit. Wie kann gerechte Arbeit in der Kirche funktionieren? Welche Wege zu Diversität und Beteiligung aller gibt es, welche passen für das eigene Umfeld? Am Dienstag, 31. Mai 2022 um 14.00 Uhr, wird Julia Sujin Noël, compassorange – Agentur für zeitgemäße Personal-, Organisations-, und Kulturentwicklung GmbH, in ihrem Vortrag „Ansätze und Strategien des Community Empowerments“ vorstellen. Das Podium zur anschließenden, bewährten Diskussion wird von Quinton Ceasar, Pastor in der Landeskirche Hannover, Eleanor McCormick. Ökumenische Mitarbeiterin EKiBa, Pfarrerin der United Church of Christ (UCC), USA, und Nicolas A.S. Moumouni, Migration, Flucht und interkulturelle Arbeit, Diakonisches Werk Hamburg gebildet. Hier geht es noch einmal um best- und worst-practice-Beispiele aus der kirchlichen Anti-Diskriminierungsarbeit. Wir reflektieren Ideen und nehmen praktisches Handwerkszeug für unsere eigenen Aktivitäten mit.

In der Dokumentation finden Sie hier:

  • Schriftliche Zusammenfassung der Präsentation von Julia Sujin Noël, compassorange – Agentur für zeitgemäße Personal-, Organisations-, und Kulturentwicklung GmbH
  • Schriftliche Zusammenfassung der Podiumsdiskussion mit:
    • Quinton Ceasar, Pastor in der Landeskirche Hannover
    • Eleanor McCormick. Ökumenische Mitarbeiterin EKiBa, Pfarrerin der United Church of Christ (UCC), USA
    • Nicolas A.S. Moumouni, Migration, Flucht und interkulturelle Arbeit, Diakonisches Werk Hamburg
Video: Ansätze und Strategien des Diversity-Empowerments - ein Ausschnitt aus dem Impulsvortrag von Julia Sujin Noël

Dieses Video zeigt nur einen Ausschnitt aus dem Vortrag von Julia Sujin Noël, compassorange GmbH. Alle Rechte für die Inhalte liegen ebenfalls bei Julia Sujin Noël. Das Video wird von unserem YouTube-Kanal eingebettet. Die Untertitel sind in Bearbeitung.

 

Ansätze und Strategien des Diversity-Empowerments - die Kernaussagen der Präsentation

Ansätze und Strategien des Diversity Empowerments

ein Vortrag von Julia Sujin Noël, compassorange – Agentur für zeitgemäße Personal-, Organisations-, und Kulturentwicklung GmbH, im Seminar „Diversity in der kirchlichen Arbeit“ des Evangelischen Zentrums Frauen und Männer – Fachbereich Frauen, 31. Mai 2022, 14.00-17.00 Uhr, bereitgestellt von der Referentin

Einstieg

Empowerment

Haltung und Ausrichtung

Handlungsoptionen: Arbeitskultur

Handlungsoptionen: Veranstaltungen

Vorüberlegungen

Inhaltliche Konzeption

Der eigene (lebenslange) Lernprozess

Komfortzone

Bearbeitung des Unwohlseins

Self-Empowerment: Anti-Rassismus-Arbeit nachhaltig gestalten

Weiterbildung und Vernetzung

 

Einstieg

Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, sondern wie wir sind. –Talmud

Empowerment

  1. Handlungsfähig werden, Handlungsmacht entwickeln
    • Sich empowern = handlungsfähig zu werden, Handlungsmacht und Gestaltungsmacht entwickeln.
    • Empowerment („Power“ = Macht / Kraft): Macht und Kraft aufbauen, bzw. anderen Macht und Kraft zuspielen.
  1. Machtstrukturen erkennen, Machtkritisch denken, Macht teilen, gemeinschaftliche Macht aufbauen
  2. Gemeinschaft fördern
  • Kirche kann idealer Raum für Empowerment sein; Community-Aufbau
  • Schon immer “Kerngeschäft” der Kirche: Menschen versammeln, Gemeinschaft gestalten und pflegen, Zugehörigkeit bieten, Rituale kultivieren: Handwerkszeug und Infrastruktur sind da; Kirche ist prädestiniert für diese Arbeit!
  • Kirche hat eigene Herausforderungen, aber der Mensch und die Gemeinschaft stehen im Mittelpunkt – Vorteil gegenüber bpsw. profitorientierten Unternehmen
  • großer Trumpf: Anti-Rassismus-Arbeit kann in das grundsätzliche Anliegen Gemeinschaft zu gestalten, eingeflochten werden
  • Empowerment als kirchliches Kerngeschäft!

Haltung und Ausrichtung

Warum will ich beitragen? Welche Grundwerte leiten meine Arbeit?

  • von innen heraus zu agieren, statt auf äußere Bedingungen zu reagieren (Aktion vs. Reaktion)
  • auf Arbeit neugierig sein, als Lernprozess verstehen (Neugieriges Lernen vs. moralischer Druck)

Ganz besonders wichtig: Antidiskriminierungs-Arbeit ist in keiner Form ein Hilfsprojekt, sondern solidarisches Einsetzen an der Seite der Betroffenen. Betroffene werden dabei nicht vorgeführt, sondern geben den Ton an. Betroffene übernehmen dabei keine Arbeit, die Nicht-Betroffene ebenso gut leisten können.

Was steht hinter dem Wunsch, konkrete Handlungsoptionen, vielleicht sogar einen Leitfaden für antirassistisches Arbeiten zu haben?

  1. alles richtigmachen und niemanden verletzen wollen
  2. die Situation meiden, jemanden unabsichtlich rassistisch zu verletzen und damit dem Schamgefühl entgehen

Disclaimer: Es gibt keine Checkliste, die wir abarbeiten und uns dann entspannt zurücklehnen können, weil wir wissen, dass wir alles richtiggemacht haben.

  • Von Rassismus betroffene Einzelpersonen oder Personengruppen sind kein monolithischer Block. Erfahrungen, Bedürfnisse, Meinungen sind nicht homogen
  • Arbeit mit Individuen und individuellen Erfahrungen, Prägungen und Vorstellungen
  • Forderungen und Vorgehensweisen der Antirassismus-Arbeit werden in allen Communities kontrovers debattiert
  • Es geht kein Weg daran vorbei, sich der Komplexität immer wieder zu stellen, Unsicherheit auszuhalten, und auf dem Lernweg zu bleiben.

Folgende Handlungsoptionen sind also als Ideen und Denkanstöße zu verstehen und ersetzen nicht die eigene Arbeit, verinnerlichte Rassismen und rassistische Machtstrukturen aufzuspüren und abzubauen.

Handlungsoptionen: Arbeitskultur

  • Diskurs der Communities kennenlernen, die von Rassismus betroffen sind: Ansichten und Forderungen sind unterschiedlich!
    • Bücher / Podcasts von Menschen aus diesen Communities – diese Produktionen unterstützen
  • Offene Fragen stellen; zuhören! Keine eigenen Annahmen treffen.
    • The road to hell is paved with good intentions. – Der Weg zur Hölle ist gepflastert mit guten Absichten
    • Wenn etwas irritiert:
      • nachfragen, bzw. selbst recherchieren, Aufklärungsarbeit abnehmen!
      • Betroffenen erstmal glauben, manchmal nicht direkt reagieren
    • Auf Sprache achten
      • Bestimmte Floskeln werden aus Gewohnheit genutzt -> überdenken
      • „Wir geben den Menschen eine Stimme“. Stattdessen „Stimmen Gehör verschaffen“, „Raum geben“, „amplifizieren – verstärken“, etc.
      • Geringfügig andere Formulierung = ganz andere Wirkung!

BRIDGE-Rahmenplan von Ruchika Tulshyan[i]

  • Be uncomfortable: Fühle dich unwohl.
  • Reflect: Reflektiere.
  • Invite Feedback: Sei offen für Rückmeldung.
  • Defensiveness doesn’t help: Abwehrhaltung ist nicht hilfreich.
  • Grow from your mistakes: Wachse an deinen Fehlern.
  • Expect that change takes time: Rechne damit, dass Veränderung Zeit braucht.

Handlungsoptionen: Veranstaltungen

Vorüberlegungen

Ein Quelle dieses Vortrags und ein guter Einstieg für die Planung von Veranstaltunen ist der Online-Kurs von Noah Sow „Erfolgreich rassismuskritisch veranstalten“[ii]

Quelle und Tipp“, oder aber im darauffolgenden Satz: „Eine Quelle dieses Vortrags und ein guter Einstieg für die Planung ist […]“

  • Für wen veranstalte ich? Wer soll Spaß haben, sich bilden, vernetzen?
  • Für diverses Publikum planen (diverses Team ist hilfreich)
  • Wo investieren wir Ressourcen? Was unterstützt die Personen, die von Diskriminierung betroffen sind?

Leitfrage: Welchen unmittelbaren Mehrwert bietet die Veranstaltung den Communities, die von Rassismus betroffen sind?

Macht = Gestaltungsmacht: Bühne/Ressourcen weiterreichen, damit unterrepräsentierte Communities ihre eigenen Themen platzieren können

  • Veranstaltungen = Gestaltung, Gestaltungsmacht = Macht
  • Bühne = Sichtbarkeit, Sprechzeit, Wirkungsmacht = Ressourcen, die wir an unterrepräsentierte Personengruppen weiterreichen können
  • Empowerment!

Merksatz aus der Bewegung von Menschen mit Behinderungen: Nothing About Us Without Us is For Us! – „Nichts über uns ohne uns ist für uns!“

  • Nicht nur für Diversity-Themen(!): BPoC als Expert*innen einladen
  • BPoC buchen als Empowernde für ihre eigene Zielgruppe
  • BPoC Communities fragen: Was wünscht ihr euch? Was fehlt euch inhaltlich im öffentlichen Diskurs?
  • Und/oder: Räume dafür schaffen, dies zu reflektieren
  • Angemessen entlohnen!

Inhaltliche Konzeption

Vom Ergebnis her planen
  • Was soll die Veranstaltung bewirken? Mit wem können wir zusammenarbeiten, um die gewünschte Wirkung zu erzielen?
  • Frage nach dem Wunschpublikum und nach der Art der Veranstaltung: Was soll passieren? Wird sich fortgebildet, sich vernetzt? Wird etwas gemeinsam erarbeitet, oder wird etwas gefeiert?
  • Auf Fragestellung achten: Sind Sie befugt, die diskutierte Frage abschließend zu beantworten?
    • Workshop 10.05.2022: „Ist Pippi Langstrumpf rassistisch?“ Haben Sie hierüber wirklich die Deutungshoheit? Was hätte die Entscheidung zur Folge, die in der Veranstaltung „ermittelt“ wird?
    • Zu Ende denken und Sinnhaftigkeit prüfen
    • Empowert die Fragestellung die Menschen, die von Rassismus betroffen sind?
Machtstrukturen
  • Ist unsere Veranstaltung ein sicherer Ort für BPoC?
  • Strukturelle Diskriminierung und Machtstrukturen gibt es in der Veranstaltung genauso wie „draußen“ im Alltag
  • Wer ist es gewohnt, sprechmächtig zu sein und Raum einzunehmen? Wem sprechen wir naturgegeben Autorität zu, und wessen Meinungsäußerungen werden reglementiert und als „zu laut“, „übertrieben“, „überempfindlich“ markiert?
  • Vorsicht bei „Fragerunden“, „Austausch“ und „Diskussion“ – Redner*in nicht in Situationen bringen, wo Redner*in sich allein gegen ein gekränktes Publikum verteidigen muss!
  • Immer darauf achten, dass anwesende Personen, die von Rassismus betroffen sind, auf Veranstaltung geschützt sind (körperlich und psychologisch).
Organisatorisch
  • in der Vorbereitung mit den Beitragenden klar und transparent kommunizieren: Auf der Veranstaltung gibt es eine verlässliche Ansprechperson für sie
  • Am Veranstaltungsort das Hausrecht aushängen zu Beginn der Veranstaltung aussprechen
  • klare Absprachen und Zuständigkeiten bei Störfällen: Wer interveniert wann und wie?
  • Vorformulierungen bei Störfällen
  • Wichtig: klar positionieren und entsprechende Konsequenzen durchsetzen

Der eigene (lebenslange) Lernprozess

Komfortzone

Veränderung findet nie in der Komfortzone statt!

Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit. –Viktor Frankl[iii]

Auseinandersetzung mit Rassismus ruft oft Schamgefühle hervor

  • Scham = eine grundlegende und universelle menschliche Empfindung
  • Scham = „das äußerst schmerzhafte Gefühl zu glauben, dass wir unzulänglich sind und daher nicht würdig, geliebt zu werden und zugehörig und verbunden zu sein.” (Brené Brown, Sozialforscherin)
  • Greift menschliches Grundbedürfnis an, uns zugehörig und geliebt zu fühlen – davon hängt unser Überleben ab!
  • Schamgefühl meiden zu wollen, ist daher verständlich

Erlernte Rassismen werden nur „verlernt“, indem wir sie durcharbeiten – und das passiert außerhalb unserer Komfortzone.

Atemtechniken: Raum zwischen Reiz und Reaktion herstellen, in dem wir unser Gehirn wieder auf Spur bringen, statt reflexartig um uns zu schlagen oder wegzurennen. Dann können wir empathisch agieren. Das Gegengewicht zu Scham ist Empathie. Vgl. Ruchika Tulshyan: Erster Schritt in Antirassismus-Arbeit ist, sich darauf einzulassen, sich unwohl zu fühlen. Eine Verteidigungshaltung ist nicht hilfreich. Übung: Den Reflex der (Selbst-)Verteidigung wegatmen.

Bearbeitung des Unwohlseins

Eigene Zerbrechlichkeit („White Fragility“) erkennen

  • „White Fragility“ = reflexhafte Abwehr und verletzte Gefühle, mit der weiße Menschen oft auf einen Rassismusbefund reagieren
  • Nochmal die Frage nach den intrinsischen Werten stellen und den Lernprozess ernstnehmen, Lerngelegenheit erkennen: In dieses eine Fettnäpfchen treten Sie immerhin nie wieder!
  • Spaß beim Lernen: Satire zur Lebensrealität von muslimisch gelesenen Menschen in Deutschland, https://www.youtube.com/c/dattelt%C3%A4ter/videos

Überlebensstrategie für den Moment der Konfrontation:

  • Entschuldigen
  • Ratlosigkeit zugeben: „Ich weiß gerade gar nicht, was ich sagen soll. Ich brauche einen Moment, um mich zu sammeln.“
  • Nicht reflexartig rechtfertigen, sondern Raum lassen für die Erfahrung des Gegenübers, bereits im Podium vom 10.05.2022: Betroffenen ihre Erfahrung einfach glauben und gelten lassen.
  • Nicht in Aktionismus verfallen, um das ungute Gefühl möglichst schnell loszuwerden.
  • Fragen stellen, um besser zu verstehen – möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt nach eigener Reflexion und Recherche.
  • Fragen, welche Form der Unterstützung sich die betroffene Person jetzt wünscht – hier gilt wieder: Keine eigenen Annahmen treffen!

Hilfreich für Perspektivwechsel: Romane von BPoC-Autor*innen! Veränderung der Perspektive, ohne persönlich betroffen zu sein.

Auseinandersetzung braucht Zeit und Praxis, unangenehmes Gefühl als Dehnübung betrachten: Das macht im Moment der Anstrengung keinen Spaß, aber langfristig ist es eine Investition in unsere Gesundheit, und dieses langfristige Ziel haben wir vor Augen.

Self-Empowerment: Anti-Rassismus-Arbeit nachhaltig gestalten

Achtsam mit den eigenen Ressourcen umgehen: „I want to give the best of me, not what’s left of me“ (frei übersetzt nach Noël)

Selbstverständnis als neugierig lernende Person hilft: Verständnis, dass wir auf dem Weg sind, dass wir einen Marathon laufen, keinen Sprint.

Fragen von Karen Walrond[iv], Aktivistin und Autorin: Aktivismus hat Hoch- und Tiefphasen. Vergleich mit Mondphasen, Ebbe und Flut, Atem (Einatmen und Ausatmen).

  1. Wie kann ich mich heute verbunden fühlen?
  2. Wie kann ich mich heute gesund fühlen?
  3. Wie kann ich mich heute sinnerfüllt fühlen?

Überlegen Sie für sich selbst und mit Ihrem Team: Was gibt mir Kraft? Was brauche ich dafür? Räumen Sie für diese Dinge und Aktivitäten Zeit ein und kultivieren sie dieses Auftanken auch miteinander – als Teil Ihrer Arbeitskultur.

Kraftquellen nutzen: für sich selbst und gemeinsam mit anderen

Aktivistin Adrienne Maree Brown[v] Pleasure Activism: sich in ihrem Schwarzen, weiblichen Körper wohl zu fühlen und sich gezielt mit Wohlgefühlen zu versorgen = politischer Akt!

  • Rassismus ist für Betroffene in erster Linie eine große Belastung, daher: Ganz bewusst “Wohlfühlräume” für BPoC-Aktivistinnen schaffen
  • Empowerment: Bedingungen schaffen, dass belastete Menschen wirklich sie selbst sein und loslassen können
  • Safer Space

Für nicht Betroffene bedeutet das: Respektieren, dass solche Räume nur Betroffenen gehören können, und dass das nichts mit Ausschluss zu tun hat.

Weiterbildung und Vernetzung

  • Vielfältige Kollaborateure; „unlikely allies“: Perspektivwechsel
    • möglichst viele Perspektiven kennenlernen durch vielfältiges Netzwerk auf
    • „unlikely allies“: Menschen, die zu Antirassismus (oder anderen Diskriminierungsformen) in ganz anderen Kontexten arbeiten
  • Gleichgesinnte Kollaborateure: Gegenseitiges Empowerment
    • Gegenseitige Stärkung und gegenseitiges Empowerment durch Gleichgesinnte in eigenen Kontexten
    • Format für regelmäßigen Austausch etablieren: Entlastung, Schwarmintelligenz nutzen, Fragen stellen, Erkenntnisse teilen, gemeinsam weiterlernen
  • Aktivitäten abstimmen, gegenseitig amplifizieren

 


 

[i] Ruchika Tulshyan – Autorin, Rednerin und Gründerin von Candour, einer Firma für Inklusionsstrategien. Sie befasst sich mit Themen der Inklusion, Diveristät, Geschlechtergerechtigkeit und Intersektionalität – auch aber nicht nur im Kontext Beruf und Unternehmen.

Buchtipp zum Thema:  Inclusion on Purpose: An Intersectional Approach to Creating a Culture of Belonging at Work, 2022.

[ii] https://kurse.noahsow.de/erfolgreich-rassismuskritisch-veranstalten/

[iii] Victor Frankl – österreichischer Neurologe und Psychiater, Begründer der Logotherapie und Existenzanalyse (auch „Dritte Wiener Schule der Psychotherapie“)

[iv] Karen Walrond – amerikanische Autorin, Fotografin, Führungskräfte- und Aktivist*innen-Coach, Rednerin und Rechtsanwältin, arbeitet zu den Themen Verletzlichkeit, Mut, Resilienz und Selbstwert

[v] Adrienne Maree Brown – amerikanische Autorin, Aktivistin, Moderatorin und Mitbegründerin sowie Direktorin der United States League of Young Voters. Sie beschreibt sich selbst als postnationalistisch, ihre Arbeit wird aber auch dem Schwarzen Feminismus zugeordnet.

Ansätze und Strategien des Diversity-Empowerments - Themen der Diskussion

SujiSFäden in der Diskussion

Unter intersektionale Diskriminierung fällt ja vielmehr als rassistische Diskriminierung, worauf in dieser Reihe der Fokus lag. Wie übertragbar sind die vorgestellten Methoden und Hinweise?

Die grundlegende Herangehensweise ist immer, herauszufinden, was die Communities selbst diskutieren. Ob es um Queers oder Menschen mit Behinderungen geht – die meisten Communities haben einen inneren Diskurs, der sich häufig auch in Materialien abbildet. Das ergibt den Vorteil, dass man erstmal einfach nur konsumieren darf, um so die Lebensrealität der Menschen zu verstehen. Dazu gehört auch das respektvolle Fragenstellen mit dem Ziel, wirklich zu verstehen. Die Punkte, die nicht verstanden werden oder die Irritationen auslösen, sind dann die, die man weiterbearbeiten kann.

Bei Veranstaltungsplanung und der Zusammensetzung und Struktur von Teams oder ähnlichem sollte man mitdenken, welcher Mehrwert durch eine intersektionale Perspektive entsteht. So kann man die Überschneidungen von Diskriminierungsformen aufzeigen, aber auch Synergien, die in der vernetzen Verarbeitung derselben entstehen sichtbar machen. Die Autorin Ruchika Tulshyan[i] geht in ihrem Werk „Inclusion on Purpose“ immer von Women of Color aus, weil diese Gruppe von besonders vielen Diskriminierungsformen betroffen ist/sein kann.

Inwieweit können die Expert*innen mit dem Vortrag von Julia Sujin Noel mitgehen?

Elenor McCormick, Pfarrerin und ökumenische Mitarbeiterin der United Church of Christ, hat durch die Bildungsprogramme in der UCC einen kritischen Blick auf „Weißsein“ entwickelt und bietet diesbezüglich Workshops, Vorträge u.a. Bildungskurse an. Sie rät weißen Menschen zu einer kritischen Analyse ihres Weißseins sowie der damit verbundenen Privilegien und bestärkt die Darstellung von J. Noel der Anti-Diskriminierungsarbeit als lebenslangen Lernprozess außerhalb der eigenen Komfortzone.

Quinton Ceasar, Pfarrer der Landeskirche Hannover und Aktivist im bundesweiten, kirchlichen BPoC-Netzwerk,  beschreibt, dass er als Südafrikaner kirchliche Kontexte nie anders als rassistisch kennengelernt hat und beschreibt, er sei aus dieser Realität heraus gut ausgerüstet gewesen auf das, was ihm in Deutschland begegnete. Trotzdem war er nach der Ermordung von George Floyd erschrocken, wie ignorant Menschen in der Kirche darauf reagierten und wie schwer die Gespräche waren, die für Verständnis sorgen sollten, dass Rassismus eben nicht ein Problem der rechten Splittergruppen, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem ist. „Preaching the Black Jesus to a white church“ ist eine besondere Herausforderung, die viel damit zu tun hat, die Imagination des safe space aus guten Menschen in der Kirche aufzubrechen. Er äußerte sich im Podcast vom 26.3.2021 zu Fragen der Situation von BPoC-Pfarrer*innen im Pfarramt in Deutschland[ii] und für ihn ist wichtig, dass Nachdenken über Rassismus keine rein kognitive Auseinandersetzung für weiße Menschen bleibt, sondern sich darauf konkrete Handlungsveränderungen ergeben müssen.

Nicolas Moumouni, Referent im Diakonischen Werk Hamburg, kennt die institutionelle Aufstellung der Diakonischen Werke der Nordkirche mit ihren DW in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg. Er ist zugleich auch an der Basis als Berater für Menschen mit Migrationserfahrungen tätig und schafft für diese innerhalb der Organisation des DW Safer Spaces. Dort eröffnet er BPoC die Möglichkeit in geschützten Räumen von rassistischen Übergriffen und Erfahrungen zu berichten und sucht gemeinsam mit ihnen nach Wegen des Empowerments.

Warum ist die Frage nach Privilegien auch im Zusammenhang mit unserer weißen deutschen Kirche wichtig?

Um rassistische Diskriminierung zu verstehen, ist es relevant, sich selbst zu verstehen und die eigene weiße Rolle in der Gesellschaft zu begreifen. Status quo ist es, dass weiße Menschen in der deutschen oder auch amerikanischen Gesellschaft privilegiert sind, ob sie es wollen oder nicht. Eleanor McCormick übersetzt ein Zitat des Soziologen Harry Brod[iii]:

„Das weiße Privileg ist etwas, das mir die Gesellschaft gibt, und wenn ich die Institutionen, die es mir geben, nicht ändere, werden sie es mir weiterhin geben, und ich werde es weiterhin haben, egal wie edel und egalitär meine Absichten sind. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass es nicht möglich ist, sein Privileg aufzugeben, um „außerhalb“ des Systems zu stehen. Man ist immer Teil des Systems. Die Frage ist nur, ob man auf eine Weise Teil des Systems ist, die diese Realität herausfordert oder stärkt.“ – Harry Brod

In Anlehnung an Martin Luther King Jr. Ist es wichtig, sich vor Augen zu führen, dass wir in Beziehungen leben und dass alles, was die einen betrifft, mittelbar auch anderen zugefügt wird.

BPoC sind täglich rassistischen Äußerungen und Handlungen ausgesetzt. In welcher Weise kann Kirche eine Fürsorgepflicht auf BPoC-Pastor*innen erweitern und diesbezüglich Safer Spaces ermöglichen? Wann greift „Kirche als Empowerment-Raum“ tatsächlich?

Quinton Ceasar weist daraufhin, dass vieles in Alltäglichkeiten und Kleinigkeiten zu erreichen ist und erreicht wurde: Gesangbücher, Bildsprache, usw. Wo er den größten Bearbeitungsbedarf sieht, ist tatsächlich in der Auseinandersetzung mit dem eigenen Weißsein.

Quinton Cesar: „Es ist gut, gegen Rassismus zu sein. Aber noch wichtiger ist es, antirassistisch zu handeln und man kann nur wirklich antirassistisch handeln, wenn man bei sich selbst anfängt. Da wird es knifflig. Aber wenn weiße Menschen sich klarwerden, dass sie dafür sorgen, dass Kirche kein safe space ist, dann beginnt das Empowerment.“  [Anm. d. Red: „dafür sorgen“ im Sinne von „…, dass sie dafür verantwortlich sind, dass Kirche kein safe space ist, …“]

Es ist ein qualitativer Unterschied, ob man sich eines Phänomens von außen nähert oder den Innenbezug herstellt, also die Verbindung zwischen Rassismus und der eigenen Person bearbeitet. Nicolas Moumouni stellt heraus, dass es für Personen aus ehemals deutschen Kolonien ganz andere Formen der Diskussionen und Erinnerungskultur gibt. Diese sind in Deutschland nicht Teil der Erzählung, sodass er hier an den deutschen Menschen Entwicklungshilfe leisten muss. In der Arbeit im Diakonischen Werk stellt er fest, dass der diakonische Anspruch zwar da ist, in der Realität aber bestimmte Anliegen (Betreuung bei rassistischen Übergriffen bspw.) nicht bedient werden können oder wollen.

Nicolas Moumouni: „Wenn ich in Gremien die Mikroaggressionen angesprochen habe, die mir geschehen sind, dann wurde mir meist mit Irritation begegnet: „Wen haben wir uns denn da bloß ins Haus geholt, warum spricht der sowas an?“. Gibt es in kirchlichen Kontexten Rassismen? Ich würde sagen: Bewusste Rassismen weniger, unbewusste, ja – zu Hauf. Und es lohnt sich das erstmal anzuerkennen, dann erst können wir uns gemeinsam auf den Weg machen.“

Eleanor McCormick erzählt, dass sie als weiße Migrantin so gut wie keine diskriminierenden Erfahrungen gemacht hat, im Gegenteil wurden ihr viel Aufmerksamkeit und Vertrauen entgegengebracht – im Gegensatz zu ihrem direkten Kollegen aus der Ökumene in der badischen Kirche, ein Pfarrer und Theologe aus Südindien. Sie beschreibt, dass ihr Platz im Raum Kirche niemals in Frage gestellt wurde, seiner fast täglich. Während sie durch ihre Hautfarbe als zugehörig empfunden wird, muss er täglich sein Daseinsrecht verteidigen.

Nikolas Moumouni fügt an, dass eine gute Intention keinen Schutz bietet. Auch, wenn es niemand böse meint, müssen sich viele BPoC die Frage stellen: Bin ich in diesem Raum sicher?

Nikolas Moumouni:Rassismus wirkt innerhalb Kirche und Diakonie subtiler. Und dadurch, dass wir daraus bisher kein Thema gemacht haben, gibt es niemanden, der ein Amt oder ein Mandat hat, sich konsequent mit dem Thema auseinanderzusetzen. Das führte dazu, dass es als Thema der Rechten verstanden wird und die unsichtbaren Barrieren nicht abgebaut werden können.“

Was ist ein wirklich wichtiger erster Schritt?

Räume anbieten, so Nicolas Moumouni. Räume zum Austausch (bspw. Supervision nur für die BPoC-Kolleg*innen) und Räume zur Fortbildung und Sensibilisierung, um eine Haltungsänderung herbeizuführen. Gleichermaßen wichtig ist aber auch die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte, sei es im diakonischen Werk oder in Landeskirchen. Es müssen Ressourcen für Stellen freigemacht werden, denn auf der persönlichen Ebene ist es unglaublich anstrengend, die einzige Schwarze Person in einem Raum zu sein; auf der fachlichen Ebene führt das dazu, dass die wenigen BPoC ausgebrannt werden.

Aus der Teilnehmendenschaft: „Bildet euch, ohne dass BPoC erstmal ihre Lebensgeschichte erzählen müssen. Und glaubt, wenn Leute sagen: Das ist kein Safe Space. Und nehmt es ernst.“

Es bringt niemandem etwas, in der Erkenntnis des schlechten Gewissens steckenzubleiben, stattdessen können die weißen Privilegien in Gestaltungsmacht übersetzt werden. Platz machen heißt also auch, dass etwas weggehen muss und Ressourcen neu verteilt werden.

Eleanor McCormick hebt nochmal hervor, dass wir uns von der Vorstellung verabschieden müssen, rassistisch zu sein sei eine bewusste Entscheidung, die böse Menschen treffen. Wichtig sei nicht die moralische Einteilung, sondern der Wille, zuzuhören und ernst zu nehmen.

Wie kommt man aus dem schlechten Gewissen heraus?

Julia Sujin Noël gibt den Hinweis, dass man den Privilegien-Check auch schriftlich machen kann: Man spielt seinen Alltag durch und versucht, herauszuarbeiten, was alles leichtfällt, was kann ich gut? Wie kommt das? Auf welche Ressourcen konnte ich hier zurückgreifen? Wieso habe ich bestimmte Beziehungen? Bestimmte Privilegien, die mit bspw. Geschlecht oder Klasse zusammenhängen, kann man produktiv nutzen:

Julia Sujin Noël: „Ich bin sehr eloquent und kann gut auf Leute zugehen. Das nutze ich, um auf Menschen zuzugehen, die aufgrund ihres Bildungshintergrunds oder Klassenzugehörigkeit diese Fähigkeit nicht so ausgeprägt haben und verknüpfe sie mit Menschen, die sie bei Ausbildung oder Jobsuche begleiten können. Wie Eleanor McCormick sagte, können wir unsere Privilegien nicht an den Nagel hängen, aber wir können sie gezielt nutzen, um die zu unterstützen, die mit nicht so vielen Privilegien ausgestattet sind.“

Die Diakonie bemüht sich, unter anderem aus ökonomischen Überlegungen heraus und als Reaktion auf den Fachkräftemangel, sich divers zu präsentieren, achten beispielsweise auf inklusive Sprache in ihren Stellenausschreibungen. Wie ist das einzuordnen?

Nikolas Moumouni weist daraufhin, dass das Bemühen der diakonischen Werke in der Nordkirche um diversitätssensible Sprache etc. eine junge Entwicklung ist. In der Vergangenheit war die Auseinandersetzung besonders in Bezug auf die Frage, was die Zugehörigkeit zu einer christlichen Kirche in einer Stellenausschreibung zu suchen hat.

Nikolas Moumouni: „Inzwischen drückt der Schuh woanders, sprich Fachkräftemangel. Und parallel findet eine Diskussion über das AGG statt, was dazu führt, dass wir neu denken. Und im Prozess des Neudenkens werden genau solche Stellenausschreibungen daraufhin überarbeitet. Wenn man sich aber anschaut, wie personelle Entscheidungen getroffen werden, dann ist es einfach aus der Struktur so, dass die Fachbereiche inhaltlich entscheiden und die Personalabteilung nur einen verwalterischen Charakter hat. Das führt dazu, dass man dort nicht die Frage stellen kann: Mit welchen Maßnahmen versucht ihr, Diversität in der Stellenbesetzung voranzubringen?“

Die Frage, inwieweit man damit der Menschengleichheit der Bibel oder dem AGG gerecht wird, ist also weiter offen und wird aus der BPoC-Community mit anderer Dringlichkeit als in den diakonischen Werken behandelt.

Gerade in Bezug auf die Einstellung von BPoC in kirchliche Stellen, muss die Kirche zugeben, dass sie äußerst schwerfällig ist, konstatiert Daniela Konrädi.

Daniela Konrädi: „Das ist ein selbstreflektorischer Prozess, es muss einfach an dieser Stelle wahrgenommen werden, dass der Zuwachs von Menschen of Color in unseren Einrichtungen überhaupt nicht selbstverständlich ist.“

Außerdem erlägen viele kirchliche Arbeitgeber dem Trugschluss, dass, wenn ein oder zwei BPoC eingestellt sind, sie bereits ihren Teil getan hätten. Angesichts der niedrigen Anzahl an BPoC in unserer Kirche, könne man nur schwer sagen, dass sie Rassismus als relevant erkannt hat und Handlungsänderungen vornimmt.

Gleiches gilt auf Bundesebene, also EKD weit. Um der gesellschaftlichen Verteilung annähernd gerecht zu werden, braucht es stringente, empowernde Personalpolitik.

Was heißt Vielfalt und wie ist sie umzusetzen?

Wenn wir als Kirche über Diversität nachdenken, sei es Geschlechtergerechtigkeit oder Rassismus, dann müssen an jedem Tisch die Betroffenen sitzen.

Quinton Ceasar: „Representation matters. Daraus ergibt sich, dass BPoC überall von Anfang an mitgedacht und mitfinanziert sind. […] Diese Strukturen werden sich nicht von selbst ändern, deswegen bin ich für Quoten.“

Ergänzend ist es auch so, dass eines der Privilegien weißer Menschen ist, selbst entscheiden zu können, ob sie sich mit Rassismus zu beschäftigen oder nicht. Man kann das vollständige Bild also nur herstellen, wenn BPoC von Anfang an einbezogen werden, so Nicolas Moumouni. Darüber hinaus führen die existierenden Machtstrukturen dazu, dass Stimmen von BPoC, selbst dann, wenn sie in den entsprechenden Gremien sind, kaum Gewicht haben. Diese Strukturen führen auch dazu, dass der Nachwuchs für Leitungsposition, der gefördert und fortgebildet werden muss, selten BPoC mitnimmt, weil deren Zeit, die sie neben ihren regulären Jobs für Fortbildungen aufbringen müssten, in die ehrenamtliche Anti-Diskriminierungsarbeit geht.

Es ist außerdem wichtig über Vergütung und Honorare für alle Referent*innentätigkeiten zu sprechen und dafür Gelder bereitzustellen.

Die Erhöhung des Anteils an BPoC in den Stellen sei auch deswegen wichtig, da dies zu dem Sicherheitsgefühl der je bereits angestellten BPoC beiträgt, so ein Wortbeitrag aus dem Plenum. Damit ist eine Fürsorgepflicht der Kirche als Arbeitgeberin verbunden.

Daniela Konrädi: „Wenn ihr Vielfalt sagt, dann müsst ihr an Schwarze Menschen denken.“

Was heißt eigentlich für weiße Menschen, dass sie einen geschützten Ort schaffen?

Aus der UCC gibt es viel Material, das dabei helfen kann, schwierige Gespräche zu führen. Die sogenannten Sacred Conversations[iv] beginnen beispielsweise immer mit einer verbindlichen Verabredung darüber, wie man miteinander redet und wie Sprache eingesetzt wird. Diese Sacred Conversations sind wie eine Toolbox, um safer space zu gestalten.

Die Möglichkeiten, einen safer space zu gestalten sind, hängen ganz stark mit der Einbindung von BPoC zusammen und beinhalten also auch die Frage: Welche Themen sind denn wirklich interessant für die Community?

Es ist ein feiner Grad zwischen einem reglementierten Gespräch und einem wertschätzenden Gesprächsklima. Daher ist es wichtig, aktives Zuhören zu lernen. Es braucht aber auch Raum für das Gespräch zwischen Menschen, die eben jenes Gespräch aus Furcht etwas Falsches zu tun, zur Gänze vermeiden. Gleichzeitig ist es sehr wichtig, dass man auch als weiße Person die Erfahrung macht, Unsicherheiten in der Sprache auszuhalten, denn dies ist das Standardgefühl von BPoC in weißen Räumen. Dies kann auch als Angebot an einen Zugang verstanden werden, in dem das Gefühl der Bedrohlichkeit ernstgenommen wird. Bedrohlichkeit entsteht unter anderem durch die Verwendung falscher Sprache, aber auch und mehr noch durch die Auseinandersetzung mit den eigenen Rassismen, die am Selbst- und Weltbild kratzt. Sich darauf einzulassen, es auszuhalten zeugt von gegenseitigem Respekt.

 


 

[i]Ruchika Tulshyan – Autorin, Rednerin und Gründerin von Candour, einer Firma für Inklusionsstrategien. Sie befasst sich mit Themen der Inklusion, Diveristät, Geschlechtergerechtigkeit und Intersektionalität – auch aber nicht nur im Kontext Beruf und Unternehmen.

Buchtipp zum Thema: Inclusion on Purpose: An Intersectional Approach to Creating a Culture of Belonging at Work, 2022.

[ii] Episode des Podcast „Stachel und Herz“ der Vereinten Evangelischen Mission. Gäste sind Daniela Konrädi und Quinton Ceasar zum Thema „Rassismus und Kirche“:
https://unitedinmissionpodcast.podigee.io/7-neue-episode

[iii]Harry Brod – Professor der Soziologie an der University of Northern Iowa, einer der Gründerväter der wissenschaftlichen Männer- und Männlichkeitsforschung. Er arbeitete zu den Themen Feminismus, soziale Gerechtigkeit, Race und Ethnien und war national wie internationale stark in Lehre und Diskurs zu feministischen Studien zu Männern und Männlichkeit engagiert.

[iv] Link zum Download einer Handreichung der United Church of Christ: „Immerse yourself“ Resource Guide, Sacred Conversations on Race:
https://www.ucc.org/sacred-conversation_sacred-conversation-resources/

Ressourcensammlung

Wir haben in den folgenden Tabs eine Reihe von Links zusammengestellt. Sie führen zu Filmen, Büchern, Organisationen und Materialien, mit denen man sich vertiefend mit dem Thema Diversity beschäftigen kann oder erst einmal ins Thema einsteigen. Die Liste ist nicht vollständig und kann das bei der Vielzahl der Aspekte und Akteure auch nicht sein. Sie ist ein Anfang und soll zu weiteren Recherchen ermutigen.

Experten und Expertise

Eine kleine Auswahl an Seiten, die gut aufbereitetes Material anbieten oder die Möglichkeit bieten, mit Experten für verschiedene Themen in Verbindung zu treten.

Vielfaltfinder

Der Vielfaltfinder ist Expertendatenbank und Recherchetool in einem. Die Seite bringt Vielfalt und Expertise aus den verschiedensten Bereichen und zu den unterschiedlichsten Themen zusammen. Die Expert*innen haben alle Migrationshintergrund, sind Schwarze Menschen oder People of Colour.

Tupoka Ogette – Bestellser-Autorin und Beraterin in den Bereichen Rassismuskritik und Antirassismus. Sie berät mit ihrem Team Unternehmen, Organisationen und Verbände in der rassismuskritischen Arbeit.

https://linktr.ee/Tupoka – Linktree mit Links zu verschiedenen Publikationen und Websites

Zeit für die Schule

Die Seite bietet eine Vielfalt an Impulsen für die Bearbeitung von den verschiedensten Bereichen im Unterricht – darunter auch die Themen Chancengerechtigkeit, Alltagsrassismus und vieles mehr. Es lohnt sich ein Stöbern oder die gezielte Suche nach Stichworten über die Suchfunktion

mangoes & bullets

Eine Seite voller Filme, Lieder, Gedichte, Informationen und Material für alle, die sich mit Rassismus und andere Herrschaftsverhältnissen beschäftigen wollen und nach Inspiration suchen. Empfehlung: Vor Verwendung das „über mangoes & bullets“ lesen, das noch einmal Hinweise auf die Verwendung der Materialien gibt.

White Privilege

Links zu Texten von Peggy Mcintosh über White Privilege – Peggy Mcintoshs Texte gehören zu den am häufigsten zitierten Arbeiten zu diesem Thema. Die Links enthalten auch ein Papier mit Hinweisen zur Verwendung ihrer Arbeiten in Weiterbildungen und Gruppen, das ihre Intentionen und Positionen beschreibt.

Geografisch-postkolonial. Wie aus Karten und Bildern Welt entsteht

Die digitale Ausstellung bietet einen Blick durch fünf verschiedenen Schlüssellöcher auf die Art, wie Hamburger Geograph*innen durch Karten und Bilder die Welt darstellen. Man erkennt, welche Weltbilder dadurch entstehen und welche Folgen dies haben kann oder hat.

connecting the dots – Geschichten von Unterdrückung und Widerstand

connecting the dots ist ein e-Learning Tool. Zitate von verschiedensten Menschen aus vielen Epochen, Erdteilen und mit vielfältigen gesellschaftlichen Hintergründen sollen auf einem Zeitstrahl eingeordnet werden. Dies ermöglicht einen Perspektivwechsel und eine andere Form der Auseinandersetzung. Es stehen mehrere Themen zur Auswahl: Kolonialismus, Rassismus in Deutschland, Mensch und Natur, Arbeit, Demokratie und Herrschaft und vieles mehr.

Homestory Deutschland – Schwarze Biografien in Geschichte und Gegenwart

Die begleitende Website einer Ausstellung aus den Jahren 2006-2014 zeigt Beispiele Schwarzer Biografien aus verschiedenen Epochen in Deutschland. Ein kleiner Einblick ist durch eine Auswahl von Texten möglich.

Portal Intersektionalität

Ein Onlineportal als Forschungsplattform und Praxisforum für Intersektionalität und Interdependenzen. Dient der Informatione, Kooperation und Vernetzung und enthält vielfältige Informationen und Ressourcen.

Organisationen

Eine ganze Reihe an Organisationen beschäftigen sich auf verschiedene Art und Weise mit Diversität, Antirassismus und Rassismuskritik. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und soll als erster Ansatz für die eigene Recherche dienen.

Allianz gegen Racial Profiling – Link zur Website und zur Liste mit Publikationen und Links dieser Bewegung, die „Racial Profiling“ und den damit verbundenen strukturellen Rassismus bekämpft. Der direkte Link zur den Publikationen: https://www.stop-racial-profiling.ch/de/publikationen/

Amadeu Antonio Stiftung – die Stiftung setzt sich seit 1998 für eine demokratische Zivilgesellschaft ein, die sich konsequent gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus engagiert. Auf auf ihrer Website einige Hinweise zusammengestellt, was man aktiv gegen Rassismus tun kann. Ebenso findet sich dort eine Zusammenstellung von eigenen Publikationen.

ARiC Berlin e.V. – der Verein fördert mit seiner Arbeit Menschlichkeit, Gleichberechtigung, gesellschaftliche und individuelle Verantwortung zur Förderung des interkulturellen Dialogs und zur Auseinandersetzung mit Vielfalt und Verschiedenheit. Die Website bietet viele Informationen zu Themen, Publikationen, Mediendatenbanken und vieles mehr.

Bildungswerkstatt Migration & Gesellschaft e.V. – ein Zusammenschluss von Engagierten im Bereich migrationspädagogischer Bildungsarbeit aus Berlin. Der Verein bietet Workshops, Prozessbegleitung, Superviesion und Beratung an.

Black Lives Matter Berlin – eine Zusammenstellung von Ressourcen

Center for Intersectional Justice – eine unabhängige NPO aus Berlin, mit dem Ziel Antidiskriminierungs- und Gerechtigkeitspolitik in Europa inklusiver und effektiver zu machen. Auf ihrer Seite findet sich vielfältiges Material u.a. ein Factsheet zur Intersektionalität in Europa.

DaMigra – der Dachverband der Migrantinnenorganisationen ist ein bundesweiter herkunftsunabhängiger und frauenspezifischer Dachverband von mehr als 60 Migrantinnenorganisationen in Deutschland.

DeutschPlus e.V. – ein interdisziplinäres Netzwerk aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Kultur und Medien, das sich für eine plurale Republik und die chancengerechte Teilhabe aller Menschen einsetzt.

Diversity Arts Culture – das Berliner Projektbüro für Diversitätsentwicklung

Diversity Works – Trainings und Beratungen zu interkulturellem Management und Diversity (Vielfalt) vor allem im Unternehmenskontext.

Deutsches Museum für Schwarze Unterhaltung und Black Music (DMSUBM) – Deutschlands führendes Museum für Schwarze Kultur, Popularmusik und Geschichte mit einem umfassendeen Archiv an Schallplatten, Magazinen, Autogrammen und Erinnerungsstücken.

Each One Teach One (EOTO) e.V.ein Community-basiertes Bildungs- und Empowerment-Projekt in Berlin. EOTO setzt sich mit anderen Organisation vor allem für die Interessen Schwarter, afrikanischer und afrodiasporischer Menschen in Deutschland und Europa ein. EOTO bietet auf seiner Seite Informationen zu verschiedenen Themen, Veranstaltungen, eine Bibliotheksrecherche und vieles mehr.

EINE WELT DER VIELFALT (EWdV) – eine Bildungs- und Beratungsorganisation, die sich für die Gestaltung einer Gesellschaft der Gleichbehandlung einsetzt. Die Seite bietet einen Überblick über das Angebot an Workshops, Ressourcen und Themen.

GLADT eine Selbstorganisation von Schwarzen Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans*, Inter* und Queeren und solchen of Colour in Berlin mit Schwerpunkt auf Mehrfachdiskriminierung. Die Website bietet einen Überblick über die Aktivitäten und die Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme.

glokal e.V.  – ein Verein für machtkritische Bildungsarbeit und Beratung in Berlin. Der Verein ist in der politischen Jugend- und Erwachsenenbildung tätig und sensibilisiert in Projekte und Arbeitshilfen für globale und innergesellschaftliche Machtverhältnisse. Die Website gibt einen Überblick über Angebote für Organisationen, Multiplikator*innen, Jugendgruppen, Schulklassen etc. und Infos zu Projekten, Projektwebsites und Publikationen.

IDA-NRW – will die Auseinandersetzung mit Rassismuskritik und Rechtsextremismus vorantreiben und Institutionen der Jugendhilfe und Schule bei der Entwicklung einer der Migrationsgesellschaft angemessenen Pädagogik unterstützen. Die Website gibt einen guten Überblick über die Themen Rassismus, Rechtsextremismus, Antisemitismus und über die eigenen Publikationen.

response HessenBeratungsstelle für Betroffene von rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt im Evangelischen Regionalverband Frankfurt und Offenbach. Response ist ein Unterstützungsangebot für Menschen, die von rechter, rassistischer, antisemitischer, antimuslimischer oder anitziganistischer Gewalt betroffen sind.

Initiative 19. Februar Hanau – die Website stellt Informationen, Aktionen, Aktuelles zum Untersuchungsausschuss und Texte zum rassistischen Anschlag in Hanau am 19. Februar 2020 zusammen.

Initiative Oury Jalloh – die Website stellt Informationen und Dokumentation zum Tod von Oury Jalloh in der Gefängniszelle in Dessau zusammen.

Initiative Schwarze Menschen in Deutschland – die älteste Selbstorganisatione von und für Schwarze Menschen in Deutschland. Vertritt die Interessen Schwarzer Menschen in Deutschland und steht für Gerechtigkeit in der Migrationsgesellschaft ein. Die Website gibt einen Überblick über die Aktivitäten des Vereins.

Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt (KOP) – Gruppen in Berlin, Kiel und Bremen treten Racial Profiling in der Polizei entgegen und dokumentieren Fälle von rassistischer Polizeigewalt. Die Website der Gruppe aus Berlin gibt einen Überblick.

MEDIENDIENST INTEGRATION – eine Serviceplattform nicht nur, aber auch für Journalistinnen und Journalisten. eine Serviceplattform für Journalistinnen und Journalisten. Die Seite bietet Zahlen, Fakten, Hintergründe zu Migration, Integration und Asyl in Deutschland. Expertinnen und Experten können vermittelt werden

Bundesverband Netzwerk von Migrantenorganisationen – Zusammenschluss von mehr als 800 Migrant*innenorganisationen in 21 Städten, herkunfts-und kulturübergreifende sowie säkularen Verbünden. Er vertritt die Interessen der lokalen Netzwerke von Migrant*innenorganisationen auf Bundesebene und setzt sich für mehr Mitsprache und Teilhabe migrantischer Perspektiven ein. Als Bundesverband ist er auch Ansprechpartner für Politik und Zivilgesellschaft sowie Berater bei Fragen zu Teilhabe, Entwicklungspolitik und Anti-Rassismus.

Neue deutsche Medienmacher*innen – ein bundesweites Netzwerk von Journalist*innen mit und ohne internationale Geschichte. Setzt sich für gute Berichterstattung und vielfältiges Medienpersonal ein. Die Seite enthält umfangreiche Informationen und Meldungen zu Diversity-Themen, eine Experte*innen-Datenbank und ein interessantes Glossar, das viele Begriffe gut erläutert.

NSU-Tribunal –  hervorgegangen und getragen von dem Bundesweiten Aktionsbündnis ‚NSU-Komplex auflösen‘ sowie von einer Vielzahl von Personen, die sich aus unterschiedlichen Motiven gegen Rassismus engagieren wollen. Das Tribunal ist ein „Ort der gesellschaftlichen Anklage von Rassismus“ – es möchte den Stimmen der Betroffenen Gehör verschaffen.

Öffentlichkeit gegen Gewalt – die Kölner Anlaufstelle des AntiDiskriminierungsBüros Köln. Sie bietet Beratung, Information, Qualifizierung, Vernetzung etc.

Phoenix e.V. – sensibilisiert Menschen für Rassismus in seiner alltäglichen und strukturellen Erscheinungsform, damit sie der Negativität des Rassismus, positive Strategien entgegenstellen können. Der Verein bietet Antirassismustrainings und Empowerment-Trainings, Vorträge und Beratung an und vernetzt sich national wie international.

Schule ohne Rassismus – vernetzt rund 3.800 Schulen im Einsatz für die Menschenwürde. An „Schulen ohne Rassismus – Schulen mit Courage“ verpflichten sich Schüler*innen selbst aktiv dazu, sich nachhaltig gegen Diskriminierung und für die Gleichwertigkeit aller Menschen und gegen jede Form von Diskriminierung einzusetzen. Die Seite bietet Informationen zu verschiedenen Ideologien der Ungleichwertigkeit, Publikationen und Werbematerialien, aber auch einige Handreichungen für Pädagog*innen.

RomaniPhen e.V. – ein selsbstorganisierter Verein von Rom:nja und Sinti:zze, der vornehmlich in Bereich von Bildung und Wissensvermittlung und Kultur tätig ist. Die Website verfügt über ein umfangreiches Wissensarchiv.

ADEFRA e. V. Schwarze Frauen in Deutschland – ein kulturpolitisches Forum von und für Schwarze Frauen. Die Website verfügt auch über eine Seite mit Publikationen.

Sensitivity Reading – eine Gruppe ehrenamtlicher Mensche, die sich mit dem Thema „sensibel über Themen von marginalisierten Gruppen schreiben“ befassen. Auf der Plattform können Autor*innen die passenden Sentivity Reader für Projekte von unterschiedlichen Themen finden.  Diversität und Repräsentation einsetzen.

The African Network of Germany – ein bundesweites Netzwerk von afrikanischen Vereinen und Einzelpersonen. Das Netzwerk verbindet die afrikanische Community in Deutschland und sorgt für Sichtbarkeit und Verbindung zwischen den 800.000 Menschen der afrikanischen Diaspora und der Mehrheitsgeellschaft.

Women in Exile&Friends – eine brandenburger Initiative von Flüchtlingsfrauen, die gemeinsam gegen die Mehrfachdiskriminierung als Flüchtlingsfrauen kämpfen, die häufig von Flüchtlingsselbstorganisationen nicht ausreichend mitgetragen werden.

neue deutsche organisationen, das postmigrantische Netzwerk – ein bundesweites Netzwerk, das rund 160 Vereine, Organisationen und Projekte umfasst und als postmigrantische Bewegung gegen Rassismus und für ein inklusives Deutschland agiert.

Bücher

Wir führen hier nur noch einmal die Bücher auf, die wir in den Dokumentationen der drei Veranstaltungen auch schon erwähnen. Weitere Hinweise finden sich auf nahezu allen angegebenen Internetseiten von Organisationen, Medienanstalten usw.

Deutschland Schwarz Weiß – der alltäglische Rassismus; Noah Sow, 1. Auflage 2018, Verlag Books on Demand, ISBN/EAN: 9783746006819, www.noahsow.de

Ewig anders – schwarz, deutsch, Journalist; Marvin Oppong, 1. Auflage 2019, Verlag J. H. W. Dietz Nachf. GmbH, ISBN/EAN: 9783801205423,

exit RACISM – rassismuskritisch denken lernen; Tupoka Ogette, Unrast Verlag, ISBN/EAN: 9783897712300

Reach Everone on the Planet – Kimberlé Crenshaw on Intersectionality; Hrsg. Gunda Werner Institut & Center for Intersectiona Justice, 1. Ausgabe Berlin 2019, ISBN 978-3-86928-199-5, Download über: https://www.boell.de/en/2019/04/16/reach-everyone-planet

Wie ist Jesus weiß geworden? Mein Traum von einer Kirche ohne Rassismus; Sarah Vecera, Patmos Verlag 2022, ISBN/EAN: 9783843613521

Schwarzer Feminismus – Grundlagentexte; Natasha A. Kelly Hg. , Unrast Verlag, 2. Auflage 2022, ISBN/EAN: 9783897713178

Wozu Rassismus? – Von der Erfindung der Menschenrassen bis zum rassismuskritischen Widerstand;  El-Mafaalani, Aladin, Verlag Kiepenheuer & Witsch GmbH & Co KG, 2021, ISBN/EAN: 9783462002232

Inclusion on Purpose: An Intersectional Approach to Creating a Culture of Belonging at Work; Ruchika Tulshyan, The MIT Press, 2022,  Gebundene Ausgabe – 1. März 2022; ISBN 978-0-262-04655-8

Filme

Es gibt eine Vielzahl von interessanten Filmen und Beiträgen, die sich mit den Themen Diversität, Antirassismus, Rassismuskritik, Intersektionalität etc. befassen. Einige führen wir hier auf. In der Rubrik „Materialien“ gibt es auf einigen Seiten weitere Hinweise. Was sich auch lohnt: Eine Stichwortsuche bei Mediendiensten (auch denen der Landeskirchen zum Beispiel) oder in den Mediatheken der Fernsehsender. Als Beispiel sei ARTE genannt, die immer wieder verschiedene Beiträge dazu senden. Eine Verlinkung von Mediathekbeiträgen ist leider nicht sinnvoll, da Beiträge dort aus rechtlichen Gründen nicht unbegrenzt gezeigt werden dürfen.

93/13 |20 Jahre nach Solingen

Eine Reise durch Deutschland 20 Jahre nach dem Brandanschlag von Solingen. Eine Dokumentation von Mirza Odabaşı

„Der Rassist in uns“

ZDFneo mit Amiaz Habtu – der Film untersucht, wie Rassismus funktioniert und wie es sich anfühlt, systematisch diskriminiert, herabgewürdigt und verunsichert zu werden. 39 Menschen werden in einem Selbstversuch anhand ihrer Augenfarbe in zwei Gruppen geteilt und erfahren wie systematische Diskriminierung funktioniert. Ein filmisch dokumentiertes Antirassismustraining

ARTE ReportageUSA: Der tägliche Rassismus im Kreißsaal

‚white charity‘ – Schwarzsein & Weißsein auf Spendenplakaten

Werbeplakate von entwicklungspolitischen Organisationen zeigen sich überall im Stadtbild Deutschlands. Sie haben Einfluss darauf, wie in Deutschland Schwarze und weiße Identitäten konstruiert werden. „white charity“ analysiert die Plakate aus einer rassismuskritschen, postkolonialen Sicht. Der Film kann als DVD bestellt werden oder unter Creative Commons auch online angesehen werden.

Berliner Farben

Poliana Baumgarten will in der dokumentarische Serie auf YouTube die Vielfalt der deutschen Hauptstadt abbilden. Es kommen vor allem People of Colour und Mitglieder der LBGT Community zu Wort.

Eigensinn im Bruderland

Die Webdokumentation über Migrant*innen – Vertragsarbeiter*innen, Studierende oder politische Emigranten – in der DDR. Menschen aus Äthiopien, Chile, Mosambik, der Türkei und Vietnam berichten über Erfahrungen und Kämpfe, Akten der DDR-Behörden, Bilder und Texte ergänzen.

Woher kommst du? Alltagsrassismus in Deutschland

Auf dem YouTube Channel der Landeszentrale für politische Bildung von Nordrhein-Westphalen berichten neun junge Menschen von ihren alltäglichen Erfahrungen mit körperlichen und verbalen An- und Übergriffen.

Schweigemahl

Horst Wegeners und Arne Schramm präsentieren den Kurzfilm „Schweigemahl“ über erlebte Diskriminierung. Starke Bilder zeugen von Alltagsrassismus, die eine Familie mit Schwarzer Mutter und weißem Vater erlebt.

Das Fest des Huhnes – das unberührte und rätselhafte Österreich

Walter Wippersbergs zeigt in seinem „Kultfilm“, wie Schwarze Forscher aus Afrika, in den diversen Landschaften Oberösterreichs Sitten und Gebräuche der lebenden Stämme von Oberösterreichern studieren.

Migrationsrat Berlin

Der YouTube Channel des Migrationsrates Berlin bietet viele verschieden Videos zum Thema.

Auf den Spuren Schwarzer deutscher Geschichte

Die PULS Reportage macht sich auf die Suche nach Schwarzer Deutscher Geschichte in Berlin. Wo wird afrodeutsche Geschichte sichtbar? Welche Orte produzieren noch Rassismen? PULS ist das junge Content-Netzwerk des Bayrischen Rundfunks.

Podcasts

Eine sehr kleine Auswahl aus der großen Menge an existierenden Podcasts und Audiobeiträgen zum Thema. Und ein Link zum Einstieg in alles rund um Musik.

BBQ – der Black Brown Queere Podcast

Zuher Jazmati und Dominik Djialeu mit ihrem nicht-weißen und dazu queeren Blickwinkel auf Themen mit gesellschaftlicher Relevanz.

Feuer & Brot

Alice und Maxi unterhalten sich in ihrem monatlichen Freundinnengespräch über Politik und Popkultur.

Hart unfair

Yelda, Ari und Anna reden über Politik und Popkultur

Deutschlandfunk

Kein Podcast im klassischen Sinne, aber eine Menge interessanter Beiträge und auch Podcastfolgen finden sich auf der Website des Deutschlandfunks. Die Suche über Stichwort funktioniert gut.

Tupodcast

Der Podcast vor Tupoka Ogette. Gespräche von und zwischen Schwarzen Frauen.

Rice and shine

Die Journalistinnen Minh Thu Tran und Vanessa Vu sind Kinder vietnamesischer Einwanderer jenseits nerviger Klischees, hört man hier Geschichten aus ihrem Leben und von dem besten Essen der Welt – mal mit Gast mal ohne.

Weißabgleich – taz Podcast von PoC

Von PoC für PoC und alle, die ihren Horizont hier erweitern wollen. Über politische Entwicklungen, mediale Ereignisse, gesellschaftliche Ungleichheiten aus der Sicht der PoC in der taz.

Black Music History Library

Kein Podcast aber eine lebendige Sammlung von Büchern, Beiträgen, Dokumenten und weiteren Quellen über den Beitrag Schwarzer zu traditionellen und Pop-Musik vom 18. Jahrhundert bis heute. Eine Ressourcenliste mit ziemlich viel Stoff.

 

Linklisten

Eine sehr kleine Auswahl aus der großen Menge an existierenden Podcasts und Audiobeiträgen zum Thema. Und ein Link zum Einstieg in alles rund um Musik.

BBQ – der Black Brown Queere Podcast

Zuher Jazmati und Dominik Djialeu mit ihrem nicht-weißen und dazu queeren Blickwinkel auf Themen mit gesellschaftlicher Relevanz.

Feuer & Brot

Alice und Maxi unterhalten sich in ihrem monatlichen Freundinnengespräch über Politik und Popkultur.

Hart unfair

Yelda, Ari und Anna reden über Politik und Popkultur

Deutschlandfunk

Kein Podcast im klassischen Sinne, aber eine Menge interessanter Beiträge und auch Podcastfolgen finden sich auf der Website des Deutschlandfunks. Die Suche über Stichwort funktioniert gut.

Tupodcast

Der Podcast vor Tupoka Ogette. Gespräche von und zwischen Schwarzen Frauen.

Rice and shine

Die Journalistinnen Minh Thu Tran und Vanessa Vu sind Kinder vietnamesischer Einwanderer jenseits nerviger Klischees, hört man hier Geschichten aus ihrem Leben und von dem besten Essen der Welt – mal mit Gast mal ohne.

Weißabgleich – taz Podcast von PoC

Von PoC für PoC und alle, die ihren Horizont hier erweitern wollen. Über politische Entwicklungen, mediale Ereignisse, gesellschaftliche Ungleichheiten aus der Sicht der PoC in der taz.

Black Music History Library

Kein Podcast aber eine lebendige Sammlung von Büchern, Beiträgen, Dokumenten und weiteren Quellen über den Beitrag Schwarzer zu traditionellen und Pop-Musik vom 18. Jahrhundert bis heute. Eine Ressourcenliste mit ziemlich viel Stoff.

Artikel aus Leicht und Sinn

In unserer Zeitschrift Leicht und Sinn befassten wir uns schon mehrfach mit dem Thema Diversität. Einige Artikel dazu möchten wir hier zur Verfügung stellen.

Keinen Anspruch auf den Blick – Sami Omar

Ein Text über Menschenbegegnungen in einer rassistischen Gesellschaft. Mit einer Arbeitseinheit von Anna Hofmann.

Keinen Anspruch auf den Blick – Arbeitseinheit von Anna Hofmann

Die Arbeitseinheit noch einmal als einzelne Datei ergänzt durch das Arbeitsblatt von mangos and bullets.

Vielfältige Normalistät und radikale Vielfalt – müssen Gesellschaften harmonisch sein – Lý-Elisabeth Dang

Lý-Elisabeth Dang schreibt über Vielfalt und (fehlende) Harmonie in Gesellschaften.

Revolution für Anfänger*innen – Regina Wahl

Text und Arbeitseinhiet zu Veränderungen und wie man sie selbst in die Hand nimmt.